Diverse Fragen zum Semantic Web

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a46ed
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Diverse Fragen zum Semantic Web

Beitrag von a46ed »

Hallo,

wir haben beim Bearbeiten der Übungen einige Fragen gesammelt und hofften, dass wir zur einen oder anderen hier eine Antwort finden könnten.

Allgemein zum Modellieren:

1a)
Wann ist es nötig, eine Klasse explizit als "a owl:Class" zu definieren wie beim Barber-Beispiel auf Folie 42 von 07_OWL_Teil2.pdf?
1b)
Warum funktioniert bei Übung 6, Aufgabe 3, Folie 20 das complementOf? Weshalb läuft man hier nicht in die selbe Falle mit complementOf wie sonst, dass es noch unbekannte Besprechungsräume geben könnte, die nicht im Datenset enthalten sind, sodass die Kardinalität doch größer 0 sein könnte? (das ginge dann in die Richtung der nächsten Frage).

Zu Kardinalität:

2a)
Wie verhält es sich mit Kardinalität und der "Unzählbarkeit" von OWL? Wir hatten ja immer wieder Fälle, wo Versuche, etwas mit Kardinalität zu modellieren beim Reasoning an der Open-World-Assumption (z.B. 07_OWL_Teil2.pdf das "Single/Multi Author Work"-Beispiel auf Folien 11ff) oder Non-Unique-Name-Assumption scheiterten, weil der Reasoner nicht ausschließen konnte, dass es nicht mehr (unbekannte) Instanzen geben könnte bzw. bekannte Instanzen identisch sein könnten. Heißt das für Kardinalität prüft der Reasoner immer wieviele eindeutig ungleiche Instanzen in der Relation stehen und ob ausgeschlossen ist, dass es noch mehr geben könnte? Muss man dann beim Einsatz von Kardinalität Instanzen immer in der Form owl:allValuesFrom[a owl:Class ; owl:oneOf(:x, :y, ...) explizit aufzählen, um zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen zu können?
2b)
Bei der Übung 3, Aufgabe 5 mit den Häuser: Wozu wird da noch die Cardinality angegeben, obwohl das Prädikat schon functional ist?
Oder allgemeiner:
Gegeben ein Prädikat P mit Range X, gibt es irgendeinen Unterschied zwischen "P a functionalProperty" und "X subClassOf [ a owl:Restriction; owl:onProperty P; owl:cardinality 1]"?

Zum Reasoning:
3a)
Was hat es mit der seltsam anmutenden Umformung von rdfs:domain in die DL-Logik auf Folien 24/25 in 08_Reasoning.pdf auf sich? Die Umformen für Range ist nachvollziehbar und intuitiv sollte Domain sich doch ganz analog verhalten. Wir haben die Regel für Range verstanden als "Für alle x impliziert R(x, y), dass y aus C ist", also genau das, was man sich unter Range vorstellt. Bei Domain hingegen "für alle x existiert ein y aus C sodass R(x, y)" <--- dabei wird doch gar keine Aussage getroffen, woher x stammen soll, also genau das, was man bei Domain doch haben möchte.
3b)
Wenn beim OWL-Reasoning eine Aussage wie "A oder B" gegeben ist, lässt sich das Tableau ja aufspalten und danach ließe sich "A oder B" wieder als neue Aussage einfügen - ad Infinitum. Übersehen wir da etwas, oder ist das einfach eine implizite Blockierregel, Oder-Aussagen nur einmal einzufügen?
3c)
Wird beim OWL-Reasoning das RDFS-Reasoning implizit integriert? Manche Aussagen, wie Subklassenbeziehungen folgen ja durch die Logik der entsprechenden Umformungen, aber gilt das tatsächlich für alles, das sich mit RDFS herleiten ließe, oder müsste man zuerst ein RDFS-Reasoning laufen lassen, wenn man die entsprechenden Fakten für's OWL-Reasoning zur Verfügung haben möchte?


Danke für's Durchlesen und (hoffentlich) Beantworten.

HeikoPaulheim
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Re: Diverse Fragen zum Semantic Web

Beitrag von HeikoPaulheim »

Wann ist es nötig, eine Klasse explizit als "a owl:Class" zu definieren wie beim Barber-Beispiel auf Folie 42 von 07_OWL_Teil2.pdf?
In OWL DL muss alles explizit getypt sein, also muss man das zumindest für OWL DL streng genommen hinschreiben.
Warum funktioniert bei Übung 6, Aufgabe 3, Folie 20 das complementOf?
Das geht wegen der Subklassenbeziehung: ein Chefbüro ist auf jeden Fall kein lautes Büro. Nur, wenn man das equivalent setzt, hätte man ein Problem, (z.B.: Affe ist kein lautes Büro -> Affe ist ein Chefbüro).
Wie verhält es sich mit Kardinalität und der "Unzählbarkeit" von OWL? Wir hatten ja immer wieder Fälle, wo Versuche, etwas mit Kardinalität zu modellieren beim Reasoning an der Open-World-Assumption (z.B. 07_OWL_Teil2.pdf das "Single/Multi Author Work"-Beispiel auf Folien 11ff) oder Non-Unique-Name-Assumption scheiterten, weil der Reasoner nicht ausschließen konnte, dass es nicht mehr (unbekannte) Instanzen geben könnte bzw. bekannte Instanzen identisch sein könnten. Heißt das für Kardinalität prüft der Reasoner immer wieviele eindeutig ungleiche Instanzen in der Relation stehen und ob ausgeschlossen ist, dass es noch mehr geben könnte? Muss man dann beim Einsatz von Kardinalität Instanzen immer in der Form owl:allValuesFrom[a owl:Class ; owl:oneOf(:x, :y, ...) explizit aufzählen, um zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen zu können?
Das kommt auf die Kardinalität an. Eine minCardinality kann der Reasoner i.d.R. auch ohne oneOf prüfen, für eine maxCardinality braucht man das oneOf.
Gegeben ein Prädikat P mit Range X, gibt es irgendeinen Unterschied zwischen "P a functionalProperty" und "X subClassOf [ a owl:Restriction; owl:onProperty P; owl:cardinality 1]"?
Ja. Wenn das Prädikat p als funktional beschrieben ist, heißt das: wenn (und nur wenn) x p a und x p b, dann ist a=b. Die Restriktion dagegen sagt, dass jedes X auch unbedingt ein p braucht. Das macht die Funktionalität nicht.
Was hat es mit der seltsam anmutenden Umformung von rdfs:domain in die DL-Logik auf Folien 24/25 in 08_Reasoning.pdf auf sich?
Die Aussage auf 24 besagt: alles, was eine Relation R zu irgendwas (also Typ T) eingeht, ist von der Klasse C. Das ist genau das, was domain besagt. Die Umformung auf Folie 25 bezieht sich nicht mehr auf domain, sondern auf das allgemeine Statement "exists R.C". Insbesondere ist das nicht dasselbe C wie auf Folie 24.
Übersehen wir da etwas, oder ist das einfach eine implizite Blockierregel, Oder-Aussagen nur einmal einzufügen?
Also, wenn ich "A oder B" aufspalte, dann bleibt das streng genommen im Tableau stehen. Also habe ich zwei Teiltableaus ("A oder B. A." und "A oder B. B."), das habe ich der Einfachheit halber manchmal weggelassen. Und es gilt implizit die Regel, dass ich nichts hinzufüge, was eh schon dasteht.
Wird beim OWL-Reasoning das RDFS-Reasoning implizit integriert?
Nein, ein OWL-Reasoner arbeitet nur für sich und leitet z.B. Subklassenbeziehungen auf seine eigene Art her.

Hope that helps.

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John
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Re: Diverse Fragen zum Semantic Web

Beitrag von John »

Gegeben ein Prädikat P mit Range X, gibt es irgendeinen Unterschied zwischen "P a functionalProperty" und "X subClassOf [ a owl:Restriction; owl:onProperty P; owl:cardinality 1]"?
Ja. Wenn das Prädikat p als funktional beschrieben ist, heißt das: wenn (und nur wenn) x p a und x p b, dann ist a=b. Die Restriktion dagegen sagt, dass jedes X auch unbedingt ein p braucht. Das macht die Funktionalität nicht.
Ist dann "P a owl:FunctionalProperty ." nicht das gleiche wie
P rdfs:range X .
X subClassOf [ a owl:Restriction; owl:onProperty P; owl:maxCardinality 1] .
?

Es hat ja die gleichen Konsequenzen: Wenn x P a und x P b, dann ist a=b.
DON'T PANIC

a46ed
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Re: Diverse Fragen zum Semantic Web

Beitrag von a46ed »

HeikoPaulheim hat geschrieben:
Hope that helps.
Vielen, vielen Dank. Das hilft sehr!

HeikoPaulheim
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Re: Diverse Fragen zum Semantic Web

Beitrag von HeikoPaulheim »

Ist dann "P a owl:FunctionalProperty ." nicht das gleiche wie
P rdfs:range X .
X subClassOf [ a owl:Restriction; owl:onProperty P; owl:maxCardinality 1] .
?

Es hat ja die gleichen Konsequenzen: Wenn x P a und x P b, dann ist a=b.
Lokal stimmt das, global nicht. Das FunctionalProperty gibt ja nicht an, dass es zusammen mit der Klasse X verwendet werden muss. Und umgekehrt kann das Property P mit irgend einer anderen Klasse als X auch nicht-funktional sein.

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