GAudI Nachlese

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lars
Erstie
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GAudI Nachlese

Beitrag von lars »

Moin,

nachdem mir die Ophasen-Evaluation zugespielt worden ist, fühle ich ich motiviert mehr zu tun als "eingekauft" worden ist, nämlich einen langfristigen Diskurs anzubieten.
Zunächst erstmal explizit kein "Danke" für die positive Bewertung. (Ein Danke würde implizieren, dass mir jemand einen Gefallen getan hat, dass würde eure Fähigkeit zur objektiven und ehrlichen Bewertung beleidigen.) Aber ich möchte kurz bemerken, dass mir eure Bewertung wichtig ist (immer war) und mich das Ergebnis natürlich sehr freut.

Die Folien sind natürlich noch nicht online, wofür es verschiedenste Gründe gibt, die allesamt wie aus dem "Buch der üblichen Ausreden" klingen.

a)
Vielleicht fangen machen wir mit der These weiter, die wohl den meisten Aufruhr erzeugt hat und die ich hier nochmal kurz zusammenfassen will.

[Benign-People-These] Menschen handeln nicht bewußt "bösartig".

Wir hatten das am Beispiel Schäuble diskutiert, dessen Gesetzgebung als schlecht wahrgenommen wird: übermäßige Ausweitung staatlicher Überwachungsbefugnisse, dadurch Einschränkung der persönlichen Freiheit, de-fakto Abschaffung der Unschuldsvermutung, etc. Ich möchte kurz begründen warum es sinnvoll ist, dies unter Annahme der obigen These zu betrachten. Am wichtigsten ist, dass eine Polarisation der Welt durch Einteilung in Gute und böse Motivationen der sachlichen Betrachtung im Wege steht, weil sie einer moralischen Vorverurteilung gleichkommt. Das bedeutet nicht, dass eine moralische Bewertung unterbleiben soll, es soll schlicht eine Pauschalisierung vermieden werden. Stattdessen sollte die moralische Bewertung moralische Grundprinzipien auf konkrete Sachverhalte beziehen.

Warum ist das gut? Weil dadurch die Bewertung eines Gesamtsystems (z.B. der Vorratsdatenspeicherung) konkretisier, dadurch falsifizierbar wird, und ein "Lagerwahlkampf" zugunsten konstruktiver Diskussion vermieden wird. Nehme ich vorneweg an, eine Person wäre "böse" motiviert, kann ich deren Motive schwieriger nachvollziehen, dadurch nur sehr schwer objektiv bewerten und letztendlich auch nicht stichhaltig entkräften. (Oder meine eigene Position begründen.) Es geht also um die Vermeidung von Vorverurteilung und um die Schaffung fundierter Meinung, sowie das bewahren von Objektivität. Das sind alles Ziele die direkte Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens sind.

Argumente für die Benign-People-These:
Motivationen für bewusstes menschliches Handeln kann in zwei Klassen geteilt werden: altruistische und egoistische Motive. (Wir könnten darüber diskutieren, dass im Endeffekt alle Motive egoistisch sind, aber das ist hier unerheblich.) Diese Klassifizierung ist vollständig. Motive bewusster Handlungen fallen immer entweder in die eine oder andere Klasse. Egoisitsche Motive beschreiben, dass Handlungen durch persönliche Vorteile motiviert sind. Altruistische Motive beschreiben Handlungen bei denen ein Vorteil für die Allgemeinheit entsteht. Keine dieser Klassen kann per se als maliziös eingestuft werden.

Nach dieser These können Meinungsverschiedenheiten, wie in der Debatte um staatliche Überwachungsmaßnahmen, nur auf unterschiedliche Wahrnehmungen der Welt zurückgeführt werden. Eine Angleichung der Wahrnehmung sollte also dazu führen, dass sich die Meinungen angleichen. (Das würde zum Beispiel erklären warum Personen die ein Amt bekleiden sich manchmal von der Clientel entfremden die sie in dieses Amt gehoben hat. Joschka Fischer und Gerhard Schröder sind da vielleicht sehr aktuelle Beispiele.)

[Ich muss die folgenden Texte vertagen, da die Lohnarbeit ein wenig drängt. Ich hoffe im Laufe des Semesters soweit zu kommen, dass wir die aktuelle Politik objektiv bewertet haben und uns ausserdem die Fähigkeit erarbeitet haben fundierte Entscheidungen zu treffen. Ich packe jetzt wohl erst nochmal mein eines Semester Philosophie aus um das ganze auf etwas solidere Füsse zu stellen und nicht nur meine Meinung zu verbreiten.]

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