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banshee
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Beitrag von banshee »

Robert hat geschrieben:Stell dir vor da kommt diese woche ein solcher Aufruf, nächste Woche einer gegen studiengebühren, danach noch paar Job Angebote .. usw ... da würden viele denken das da eh nur dinge ankommen welche sie nicht interessieren.
und genau das is auch das problem mit den flyern, weil wenn ich einmal durch darmstadt durchgehe kann ich mir am ende ein buch binden lassen. und da viele flyer total uninteressant sind weil sie zb eine viel zu kleine zielgruppe haben, laufen auch flyer über wichtige themen gefahr, erstmal als spam eingestuft zu werden...

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godfather
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Beitrag von godfather »

Robert hat geschrieben: Es gibt da gewisse Probleme.
- Nicht jeder liest seine RBG mails

- über den RBG Account sollen möglichst wenig nicht-studien relevante Emails kommen, denn sonst kann es leicht passieren das Studenten anfangen die Mails welche die RBG Accounts kommen nicht mehr zu lesen. Stell dir vor da kommt diese woche ein solcher Aufruf, nächste Woche einer gegen studiengebühren, danach noch paar Job Angebote .. usw ... da würden viele denken das da eh nur dinge ankommen welche sie nicht interessieren.
also für Punkt eins kann ich nur sagen, dass man dieses Problem nur mit interessanteren Emails mit wichtigen Themen angehen kann..

zu Punkt zwei; du hast ja selbst eine hierarchische Aufzählung benutzt.. Dann muss man eben die weniger wichtigen Dinge, die nur einzelne Personen ansprechen eben nicht über die Mailingliste schicken.. Fachspezifische Probleme auf nationaler oder sogar auf EU-Ebene würden mich schon interessieren, Jobanzeigen weniger..

also, um den Thread nicht länger zu einem Meta-Gespräch über das ob und wie die Studenten angesprochen werden ausarten zu lassen möchte ich nochmal auf die Seite, die amk gelistet hat, verweisen und zu direktem Handeln aufrufen:

http://www.vorratsdatenspeicherung.de/? ... iew/51/70/

hier kann man sich direkt dagegen aussprechen!

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DC-GS
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Beitrag von DC-GS »

godfather hat geschrieben: zu Punkt zwei; du hast ja selbst eine hierarchische Aufzählung benutzt.. Dann muss man eben die weniger wichtigen Dinge, die nur einzelne Personen ansprechen eben nicht über die Mailingliste schicken.. Fachspezifische Probleme auf nationaler oder sogar auf EU-Ebene würden mich schon interessieren, Jobanzeigen weniger..
Das Problem ist, dass da keine Grenzen mehr geben wird.
Erst setzen wir da die Wichtigkeit ein paar Sachen rauf. Es melden sich dann Leute, die das wichtigste Thema haben, welches nicht auf Verteilerliste kommt. Wenn es dann auch auf die Liste kommt, kommen die nächsten Nörgelnden, die auch drauf wollen, da ja die anderen reingelassen wurden.
Am Ende haben wir SPAM. Lecker.

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godfather
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Beitrag von godfather »

da bin ich ja froh, dass wir wieder gemeinsam genügend Gründe gefunden haben, um bloß nicht involviert zu werden..

Ich traue mir durchaus zu zwischen SPAM und echten Anliegen zu unterscheiden.. Ebenso traue ich es den Leuten zu, die die Mailingliste betreuen.. aber wie gesagt, bitte keine weiteren Gegenargumente, warum wer wie angeschrieben werden könnte, sondern Lösungen oder einfach mal wieder ein Statement zum eigentlichen Thema.. danke!

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Robert
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Beitrag von Robert »

ok bleiben wir beim Thema ... wir oben bereits erwähnt fehlt mir ein griffiges beispiel von dem jeder betroffen ist .. oder wo es sehr plausibel ist das man betroffen sein könnte .... mit dem man das thema einem Leien beibringen könnte.

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godfather
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Beitrag von godfather »

Hier habe ich in einem offenen Brief auf der Protestseite gefunden

[Zitat] Ohne jeden Verdacht einer Straftat sollen sensible Informationen über die sozialen Beziehungen (einschließlich Geschäftsbeziehungen), die Bewegungen und die individuelle Lebenssituation (z.B. Kontakte mit Ärzten, Rechtsanwälten, Psychologen, Beratungsstellen) von über 80 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern gesammelt werden. Damit höhlt eine Vorratsdatenspeicherung Anwalts-, Arzt-, Seelsorge-, Beratungs- und andere Berufsgeheimnisse aus und begünstigt Wirtschaftsspionage. Sie untergräbt den Schutz journalistischer Quellen und beschädigt damit die Pressefreiheit im Kern.[/Zitat]

Das sind alles Grundwerte, die unsere Demokratie ausmachen und die direkte Einschnitte in die Privatsphäre jedes einzelnen erlauben..

Also wenn das nicht griffig ist..

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DC-GS
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Beitrag von DC-GS »

Leider verklingen diese Worte bei der breiten Masse sehr schnell.
Es würde ausreichen den willenlosen Wählern paar Bilder mit der Überschrift "Terror" zu zeigen, meinen dass JEDER in gefahr davon ist, und die Sicherheit jeden einzelnen nur durch solche Vorhaben, wie Datenspeicherung gewährleistet werden kann.

Das Problem ist also, dass (ich verallgemeinere mal) von der Politik die Bevölkerung absichtlich in Panik versetzt wird. Wenn die jetzt ihr Vorhaben zeigen, egal wie stumpfsinnig es ist, stehen dann die "Politiker" als helden der Nation dar und kriegen ihre Stimmen.

Es geht dabei nicht darum die Gefahr zu bannen, sondern möglichst schnell einen Sündenbock zu suchen, den auszuschalten und dann grinsend zu stehen und sagen, die Gefahr sei gebannt.... bis der nächste Zwischenfall kommt.

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Robert
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Beitrag von Robert »

Finde ich wirklich nicht griffig genug. Denke doch mal ans StudiVZ .. da geben Millionen von Studenten freiwillig ihre Beziehungen der Öffentlichkeit preis. (In Facebook ist das sogar noch viel weiter fortgeschritten, dort wird z.B. statt einfach nur "vergeben" auch angezeigt mit wem, und es gibt die sog. "Networks" .. sind prinzipiell wie die Gruppen .. aber es gibt schon direkt Networks für Firmen und deren Mitarbeitern usw)

"[...] die Bewegungen [...]" <-- was ist damit gemeint?

Das mit den Ärzten könnte noch ein wenig greifen .. aber damit kannst du nur leute erreichen welche zu Psychologen usw. gehen ... das z.B. eine Frau zum Frauenarzt geht ist nicht gerade seltsam. Also ein "normaler" Bürger der zum Zahnarzt, Allgemein-Mediziner und Augenarzt geht .. dem ist es ziemlich egal ob das jeder weiß.

Dann sagt der Satz als nächstes aus das die Tatsache das jemand weiß ich besuche Rechtsanwalt XY würde das Anwaltsgeheimniss aushöhlen. Der Zusammenhang ist etwas unlogisch finde ich.

Schutz journalistischer Quellen wird wodurch genau untergraben?

usw. usw. das mag zwar alles richtig sein, damit überzeugt man aber niemanden .. einer der Punkte alleine würde ja schon reichen, dann aber gut argumentiert .. auch, oder besonders, im Detail .. denn sobald die Argumentation anfängt Lücken auf zu weisen, wird jeder Kritiker alle damit vorgebrachten Argumente ablehnen.

yourmaninamsterdam
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Beitrag von yourmaninamsterdam »

Das Durchschnittsargument ist ja "Ich habe nichts zu verbergen."
Ich glaube, genau da muss die Argumentation ansetzen.

Meine Erachtens ist das Problem das folgende:
Natürlich sagt keiner (und meint auch hoffenltich keiner) der Politiker "Wir wollen einen Überwachungsstaat."
Stattdessen werden eine Hand voll Überwachungsgesetze geschaffen, die alle "bei Verdacht", "bei schweren Straftaten" o.ä. in ihrer Beschreibung tragen. Genau das mäßigt diese Gesätze ja.
Nun sieht man aber anhand einfacher Beispiele, wozu das führt.

Es wurden Mautbrücken installiert, die AUSDRÜCKLICH nicht dafür verwendet werden durften, Ermittlungen durchzuführen.
Ist aber die Technik erst eingeführt und die Mautdaten liegen eh vor, fängt man an mit dem Gedanken zu spielen, die Gesetze so anzupassen, dass Ermittlungen möglich werden.

Und genau das Problem herrscht bei allen Überwachungsgesetzen. Steht die Grundlage erstmal, sind sie dafür predestiniert, missbraucht zu werden.

In der BRD wird auf keinen Fall mit einem Paukenschlag der Überwachungsstaat eingeführt; der Prozess ist eher schleichend.
Genau deswegen sind ja auch bestimmte Regelungen im Grundgesetz verankert.
Ankert man diese aber erstmal aus, stehen alle Wege offen. Das ist genau entgegen dem Grundgedanken. Die garantierten Werte im GG sind so allgemein, dass es auch in der angeblichen "besonderen Entwicklung" irgendwelcher Gefahren nicht rechtens ist, sie auszuhebeln. Daraus wird nichts gutes.

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tiwoc
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Beitrag von tiwoc »

yourmaninamsterdam hat geschrieben:Es wurden Mautbrücken installiert, die AUSDRÜCKLICH nicht dafür verwendet werden durften, Ermittlungen durchzuführen.
Ist aber die Technik erst eingeführt und die Mautdaten liegen eh vor, fängt man an mit dem Gedanken zu spielen, die Gesetze so anzupassen, dass Ermittlungen möglich werden.
Das ist übrigens ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Informatiker Einfluss auf solche Dinge nehmen könnten: Die verbaute Technik ist alles andere als datenschutzfreundlich. Wofür muss man so ein komplexes System bauen, dass jedes vorbeifahrende Auto zweimal fotografiert, mittels Objekterkennung ermittelt, ob ein mautpflichtiges Fahrzeug vorliegt und im anderen Fall die anderen Fotos löscht (so zumindest anfangs...)? Ein System wie in Österreich (kleines Kästchen, das man in mautpflichtigen Fahrzeugen an die Windschutzscheibe klebt und das bei Durchfahrt unter einer Mautbrücke den entsprechenden Betrag verbucht) wäre a) schon fertig, b) viel billiger und c) deutlich weniger anfällig für die Hauptrolle in Innenministers feuchten Träumen gewesen.

Es ist also - neben der Sensibilisierung der Öffentlichkeit - auch nötig, dass wir uns selbst an die eigene Nase fassen und uns überlegen, ob bei gewissen Dingen, die wir entwickeln, die positiven oder die negativen Aspekte überwiegen. Damit hätten wir dann wieder die alte Frage der Wissenschafts-Ethik...

Kunden, die diesen Artikel gelesen haben, lasen auch:Dürrenmatt - Die Physiker.

Tomi
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Beitrag von Tomi »

An Tiwoc: in einem Wort: FullACK!

Ich habe schon früher ein wenig von der Verantwortung der Informatiker "fabuliert", aber sehr oft nur ein "Was interessiert _mich_ das denn? Ich soll was machen, dann mach' ich das auch, wofür es verwendet wird ist nicht meine Sache." gehört. Ist nix zu machen. Bleibt einem jeden selbst überlassen was man sagt, wenn's wieder kracht und man danach von den nachfolgenden Generationen gefragt wird, warum man denn nichts dagegen unternommen hat...

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DC-GS
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Beitrag von DC-GS »

Problematisch bei Solchen Themen mit Verantwortung, dass es nur einen einzigen "Informatiker" ausreichen würde, dem die Konsequenzen egal sind und nur die Bezahlung interessiert. Da können auch 99% der anderen Informatiker gegen auflehnen, am Ende wird es kaum was bringen.

Und sobald man sich eingesteht, dass es immer irgendwo einen geben wird, der es macht, verliert man die skrupel es selbst zu machen nachd em Motto: "Ich bin zwar dagegen, kann aber nichts machen. Hätt ich mich gewehrt, hätte ein anderer den job gemacht und kassiert."

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tiwoc
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Beitrag von tiwoc »

Ein Informatiker alleine kann aber nicht so viel falsch machen wie jeden Tag falsch läuft ;-)

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Wang Tang
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Beitrag von Wang Tang »

Hi, wegen dem "Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten."

Hab vor kurzem einen Telepolis Artikel dazu gelesen, war ziemlich gut eigentlich: http://www.heise.de/tp/r4/html/result.x ... 625/1.html

Ansonsten find ichs gut, dass Themen wie Vorratsdatenspeicherung und überhandnehmende Überwachungspläne hier im Forum zur Sprache gebracht werden! Wenigstens die Leute, die technisch damit zu tun haben, sollten aufgeklärt sein, wenn es noch so schwierig ist, "Normalbürger" an das Thema heranzuführen. Immerhin wird in den Medien jetzt mehr über Überwachung geredet, nach dem Fingerabdruckdatenbank-Debakel von Schäuble.

edit: Rechtschreibfehler.. :roll:

tgp
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Beitrag von tgp »

Dazu: "hart aber fair" am gestrigen Mittwoch, Thema "Tausche Freiheit gegen Sicherheit - wird unser Land zum Schnüffelstaat?"

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