Vergleich der Unis

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Eser
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Vergleich der Unis

Beitrag von Eser »

Hi,

habe mal ne Frage bezüglich der Abläufe eines Studiums (besonders Informatik) an verschiedenen Unis, dabei vergleiche ich das ganze mit unserer TUD.

Ich denke mal einigen ist ab und zu mal ein hin und wieder auftauchender "Aufstand" oder Kritik im Forum aufgefallen, da einige der Meinung sind dass der Bachelor Informatik an der TUD so ziemlich schwer ist, aber nicht schwer vom Stoff (das auch, aber weniger), sondern eher von der Planung und besonders von der Menge an Lehrveranstaltungen und ihrer Arten.

Man schaue sich mal GDI1, FGDI3, FGDI1 und TGDI1 an. All diese Fächer laufen (liefen) in einem Semester. GDI1 mit 21 Kapiteln a la 60-120 Seiten (Gesamt über 1000 oder wie?) und dann wieder FGDI1 mit nur 75 Seiten. TGDI1, das damalige RT1, was heute auch so ziemlich schwer(er) (geworden) ist. Und dann auch noch FGDI3, mit einem so ziemlich (langweiligen) harten Stoff und einem aufwendigen PRaktikum.

Durchschnittlich soll ein Student pro Semester 5-6 Lehrveranstaltungen ablegen um so die natürlichen 6 Semester zu packen. Ich bin der Meinung (muss nicht stimmen), der Support durch die Profs und deren Assistenten ist sehr gering bis mittelmäßig.
Hier ist ein Student so gesehen voll auf sich gestellt, hat ja seinen guten Zweck das er das selbständige wissenschaftliche Arbeiten erlernen muss, ABER doch nicht ein Erstsemester der gerade mal vom Abi kommt und nur weiss wie er Dinge aus der Mathematik und anderen wiss. Bereichen anwenden kann. Damit meine ich nur, das an der Uni im Prinzip NULL Einführung in das wiss. selbständige Arbeiten existiert, das meine ich eher mit Support.

Zusätzlich möchte ich auch meine Beschwerde gegenüber dem ehemaligen Uni-Präsidenten öffentlich machen, da er in meinem 1. Semester vor allen Erstsemestern im Audimax etwas gesagt hatte, was mir überhaupt nicht gepasst hatte. Seine Aussage war ungefähr folgendermaßen: "Schauen Sie sich um, der Mann der vor Ihnen, rechts von Ihnen, links von Ihnen und hinter Ihnen sitzt, den werden Sie nächstes Semester nicht mehr sehen". Soll also heissen, das 80% der Leute abbrechen und wenn man weiter geht ist das im Prinzip eine Unterstellung das die 80% von vorneherein NICHT für das Studium geeignet sind, für mich ist das eine Beleidigung, den JEDER kann alles lernen nur wenn er WILL. Also ist es einfach nur seine Schuld wenn er durchrattert oder am Bildungssystem stimmt was nicht.

Das man so etwas VÖLLIG unpassendes einer frischen Gruppe von Neuankömmlingen erzählt, die das Ziel haben etwas zu erreichen und ihre Zukunft festigen (in dieser meiner Überzeugung nach halb-kaputten Welt) wollen, ist wirklich die Höhe. Es mag oft zutreffen das viele Studenten abbrechen, das habe ich auch gemerkt, DENNOCH sollte man einem Neuling so etwas nicht gleich in den ersten Minuten der OPhase gleich an die Stirn klatschen. Erstens hat der Präsident überhaupt keine Ahnung womit er es gerade zu tun hat, vielleicht sind von den 500 Neulingen 400 Superintelligente die gut abschneiden oder auch mal nicht, ist ja egal, er weiss es nicht. UND es kann ja nicht sein das eine tolle Uni oder sogar Elite-Uni als Hauptmerkmal ihre hohe Exmatrikulationsrate hat nur weil sie so besonders schwer ist und dafür angeblich gut. Wir wollen uns weiterbilden und was dazulernen.

Mir macht die Uni Spass, jedes Mal was neues dazu zu lernen, und so ein Spruch von einem Präsidenten auch noch, ist einfach Schrott. Ich bin ja auch nicht wenig durchgefallen, dann hab ich besser gelernt und hab es dann bestanden, das sind eben die Hürden.

Nun, meine eigentliche Frage ist, warum viele Unis, vor allem aus verschiedenen Ländern (besonders USA) so unterschiedlich sind. Ich habe den Eindruck das z.B. an amerikanischen Unis die Exmatrikulationsrate sehr gering ist. Leute die es schaffen an eine Uni dort zu kommen, denken erst gar nicht an eine mögliche Exmatrikulation durch zu hohe Ansprüche oder ähnliches, jedenfalls scheint dort die Absolventenrate weitaus höher.
Das kann doch aber nicht daran liegen das wir drüber mehr bezahlen und damit die Profs vielleicht mehr Geld kriegen und somit mehr Support anbieten? Ich höre oft, das Studenten innerhalb eines Jahres den Masterstudiengang absolvieren können und das sind nicht einfach nur Hochbegabte, diese Möglichkeit besteht einfach, was hier wahrscheinlich undenkbar wäre.

Was macht z.B. die Uni RWTH Aachen oder die FU Berlin anders als die TUD? Wenn ich mir die Definition einer Elite-Uni in Wikipedia ansehe, dann lese ich eigentlich nur das Wort Jahresetat oder Budget. Hier geht es also nur um Geld, wer am meisten forscht und wie viel hiervon privat ist??? Was bringt uns das Studenten? Würde die TUD vielleicht eine Elite-Uni werden wenn wir im Winter die 700 Euro zahlen? So gesehen muss das ganze den Studenten nicht weiter interessieren, ausser die Bildung würde dadurch (höheres Etat) besser werden, was ich aber nicht glaube, weil ich denke das es auch möglicherweise an der deutschen Mentalität liegt dass das Bildungssystem so ist wie es ist, oder sehe ich das falsch?

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Jtb
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Beitrag von Jtb »

Hallo Eser,

ich bin vor über einen Semester an die FH-Darmstadt (h_da) gewechselt und muss dir zustimmen.

Als Student in den ersten Semestern bekommst du den Eindruck von der TUD vermittelt, dass du unwürdig bist hier zu studieren. Kein Prof will sich mit dir abgeben und man bekommt das Gefühl, dass die Grundlagen-Veranstaltungen als nervige Veranstaltung von Fachgebiet zu Fachgebiet geschoben werden.

Ich habe mich jetzt mal hingesetzt und ein Fazit zum Wechsel geschrieben. Viel Spaß beim Lesen und für die Flamer: Kommentare werden moderiert :P
mfg Jens

..etwas gutes hat der Terrorismus - man sieht wie der Staat die Demokratie mit Füssen tritt :(

Mirlix_
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Beitrag von Mirlix_ »

Eser, ich kann dir in vielen Punkten zustimmen, aber das jeder alles lernen kann wenn er will ist einfach falsch. Jeder Mensch hat glücklicherweise verschiedenen Begabungen und entsprechend auch verschiedene Stärken. Versucht er nun etwas zu lernen was ihm überhaupt nicht liegt, so kann er mit sehr viel arbeit es bis zu einem gewissen punkt schaffen , aber er wird nie das Level erreichen, wie einer der dafür begabt ist und wird dabei viel mehr zeit brauchen. Und leider ist es im Informatikstudium auch noch so das immer einige dabei sein die meinen das sie, weil sie mit Computer umgehen können oder die besten Videospieler sind, Informatik studieren sollten und sich dann wundern das es was ganz anderes ist. Die Wortwahl des Präsidenten mag unglücklich sein, aber er teilweise recht. Mancha klausuren sind aber wirklich einfach nur übertrieben schwer.
"If you want more effective programmers, you will discover that they should not waste their time debugging, they should not introduce the bugs to start with." Edsger W. Dijkstra

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Robert
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Beitrag von Robert »

Was vielleicht noch schlimmer ist als das der Präsident so einen Satz von sich gibt .. ist das er (aus meiner) Sicht tatsächlich Recht hat. Zwar nicht nach 1. Semester, aber jetzt nach 5 Semester sind nur noch wenige Gesichter aus dem 1. Semester mit mir im gleichen Semester.

Das schlimme daran ist nicht das soviele abbrechen bzw hinterher hängen, sondern das sich die Uni scheinbar dessen bewusst ist aber wenig dagegen unternommen wird.

Das positive daran ist das es vor 20-30 Jahren auch schon genauso war. So ziemliche alle im Alter meiner Eltern mit denen ich mich unterhalten habe haben mir das bestätigt. .. und warum ist das positiv? ... naja wenn man beim Vorstellungsgespräch jemandem mit Uni Abschluss gegenüber sitzt .. der weiß dann schon allein weil man einen Uni Abschluss hat das man "leidensfähig" ist, mit Stress umgehen kann und sich selbständig durchsetzen kann, auch unter schlechten Rahmenbedingungen. ..... ich weiß, es ist wirklich ein schwacher Trost, aber immerhin.

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DC-GS
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Beitrag von DC-GS »

Also die Rede mag allgemein gesehen richtig sein, was auf mich nicht zutraf.

Also bei der Rede, wo ich anwesend war, ging es eher so:
"Grüssen sie ihren linken Nachbarn. Grüßen sie ihren rechten Nachbarn. Fragen sie nach ihrem Namen, stellen Sie sich vor." In dieser Pause haben wir die Zeit genutzt um rauszufinden wer nebenan sitzt. Dann ging die Rede weiter: "Ende dieses Semesters werden sie diese Menschen nicht mehr an der Uni sehen."
In meinem Fall war das ein Schuss in den Ofen. Links war die Treppe, mein rechter Nachbar studiert immernoch.

Dass so viele Studienabracher vorhanden sind ist der Uni bewusst. Aber die wollen halt wirklich ne Elite ausbilden. Es sollen also wirklich die Stärksten an ihren Abschluss kommen können.

Wobei, die TUD kümmert sich scheinbar auch, dass eine Mindestanzahl an Absolventen exestiert. Wenn ich so die Klausuren anschaue. Mal sind die schwer, mal leicht.
Wichtigste Regel:
Wenn letzte Klausur einfach war und sehr viele bestanden haben, wird nächste schwer. richtig schwer.
Umkehrung davon, also wenn Klausur zu schwer war und Durchfallquote an der 90% Quote kratzt, wird nächste Klausur oft leichter. Gilt aber nicht bei allen Fächern. Leider.

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Rinderhack
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Beitrag von Rinderhack »

Ich finde es nicht in Ordnung dass die TUD Elite dadurch definiert dass viele Abbrechen. Klar sollte ein gewisses Niveau gegeben sein, aber Fairness sollte Vorrang haben als gewisse Durchfallquoten mit den unverständlichsten Methoden zu erreichen. Das ist meine Meinung.
Es ist einfach ein trauriger Versuch sich auf Kosten der Studenten mit einfachsten Mitteln "einen guten Ruf" bei Industrie zu erarbeiten. Der ergibt sich Hauptsächlich dadurch dass man einer der wenigen ist die das Chaos gemeistert haben, aber dafür Studiengebühren zu zahlen, so wie es bei Unis sind die Pro-Student organisiert sind und mehr für diesen tun, ist irgendwie unfair.

Naja irgendwie lässt sich das mit Unternehmen:Aktionäre und Mitarbeiter vergleichen, die Mitarbeiter(Studenten) werden zum Wohl des Gewinns/der Aktionäre(Ruf/Unternehmen) entlassen. Naja es ist spät aber manch einer mags verstehen, schöne neue Welt ...

Klar kanns mir und allen anderen hier bei denen es ganz gut läuft egal sein, aber in Ordnung finde ich diese Methode wie gesagt nicht.

A.
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Beitrag von A. »

Robert hat geschrieben:Das schlimme daran ist nicht das soviele abbrechen bzw hinterher hängen, sondern das sich die Uni scheinbar dessen bewusst ist aber wenig dagegen unternommen wird.
Die Uni scheint sich dessen durchaus bewußt. Wenn man ein bischen bei Protokollen etc gräbt, findet man durchaus Statements von vor 4-5 Jahren von Prof. Wörner etc, daß "die Abbrecherquote gesenkt" werden soll, oder daß die Abbrecherquote "auf ein Niveau gedrückt" werden soll (von was weiß ich, 30% iirc). Mitsamt schönen (geschönten) Statistiken über Abbrecher zwischen den einzelnen FB etc, wobei Informatik iirc gar nicht mal so schlecht abschneidet - im Vergleich, nicht absolut.
Getan hat sich da eigentlich kaum was, irgendwie scheint es da auch keine (funktionierenden) Konzepte zu geben. Auch wenn Herr Weihe da vielleicht anderer Meinung ist.

Übrigens: der Spruch mit "schauen sie nach rechts, schauen sie nach links" zu Anfang des ersten Semesters? Den gibts an jeder Hochschule mit einem gewissen elitären Anspruch - und das scheint die TUD ja zur Genüge zu haben.
Eser hat geschrieben:TGDI1, das damalige RT1, was heute auch so ziemlich schwer(er) (geworden) ist.
... Einspruch. Den meisten scheint Digitaltechnik deutlich leichter zu fallen als die damalige Analogtechnik, die wegrationalisiert wurde. War auch mein eigener Eindruck - ich hab RT1 noch auf Analogtechnik als Semestralklausur geschrieben (nicht allzu gut), und später mein DVP Inf B fast ausschließlich mit Punkten aus TGdI1 (in Digitaltechnik) bestritten.

Vom "Support" von den Professoren und Assistenten her: War in den Vorlesungen schon immer eher... mittelmäßig (geht übrigens an anderen Unis teils noch schlechter, immerhin gibts bei uns Assis zum ansprechen). Dafür waren (früher) die Seminare - nach meinem Empfinden - da das krasse Gegenteil, wo sich die Professoren wirklich um einen gekümmert haben. Aber die wurden ja im Bachelor gestrichen :wink:
Manchmal scheint die Planung durch Professoren auch durchaus gewollt eher schief zu hängen - ich erinnere da jetzt mal an eine gewisse Vorlesung (Hauptstudium) unseres stellv. Präsidenten: "diese Vorlesung ist für 240 Leute geplant, angemeldet zu den Übungen haben sich 580, da werden die Übungsgruppen eben etwas größer" - ein Jahr später, nächste Runde: "diese Vorlesung ist für 240 Leute geplant, angemeldet zu den Übungen haben sich 560 [...]". Da kratzt man sich dann schon mal am Kopf.

Eser
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trotzdem...

Beitrag von Eser »

Ich bin dennoch der Überzeugung, das man jede Uni auf ein Niveau bringen kann, in der JEDER die Möglichkeit hat zu bestehen. Wie schon erwähnt, es müssen Konzepte her.

Und ich widerspreche auch der Meinung das nicht jeder z.B. für die Informatik geeignet ist wie das oben einer allgemeiner ausgedrückt hat. Ich bin hier auch der Überzeugung, dass jeder sich Fähigkeiten aneigenen kann, fragt sich nur ob das Interesse dazu da ist, wenn jemand kein Bock auf Mathe hat, dann wird er wohl mit der Informatik Probleme kriegen, das sollte jedem bewusst sein. Aber wenn man will, dann klappt es. Meine Erfahrung zeit es.

Aber es geht halt mehr um das Niveau der Uni selbst. Ganz besonders ist mir eben der Unterschied zwischen amerikanischen und deutschen Unis aufgefallen. Warum ist die Durchfallrate oder Exmatrikulationsrate in den US-Unis so gering? Es ist schwierig (finaniziell und von der Leistung her) auf eine gute US-Uni zu kommen, aber wenn man erst mal "drin" ist, dann ist der Rest dem anschein nach kein Problem mehr.

Es muss also auch eine Uni geben, die jeder packen kann und bei der jeder Absolvent auch von jeder Firma mit großen Augen aufgenommen wird. Ich bin Perfektionist, ich weiss. Wie auch immer, danke für die regen Antworten. :wink:
Vielleicht bessert sich das ja noch aus irgendeinem Grund.

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unschuldslamm
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Beitrag von unschuldslamm »

Also wenn ich diesen Thread lese, dan sträuben sich mir die Nackenhaare.
Deswegen versuche ich mal ein paar Fakten zu klären und euch eine andere Sichtweise zu öffnen.

Die Verschiedenheit von Universitäten liegt am System, bzw. den Rahmenbedingungen. Und dies führt auch zu unterschiedlichen Personen.

Ich möchte dies am Anfang in Hinblick auf die Länge vom Master festhalten. Wo Du, @Eser, gefragt hast, warum in den USA auch ein-jährige Master möglich sind.
Möglich wäre das auch hier. Nur hat die TUD (imho zusammen mit den TU9 http://www.tu9.de) beschloßen, dass man nur zweijährige Master anbieten will.
Das ist ein politischer Beschluß, der nichts mit Elite oder Hochbegabung zu tun hat, sondern ein Beschluß, mit der man die Äquivalenz zum Diplom sicherstellen will. Den man wurde ja zu der Umstellung "gezwungen" und will damit die Kritiker besänftigen.... (Rahmenbedingungen...)


Aber was Du sonst über amerikanische Uni schreibst stimmt. Aber überlege doch mal. Denke dir mal du seiest Präsident von Havard oder dem MIT.
Deine Studenten, bzw. deren Eltern zahlen 5000$ pro Semester an Gebühren. Was würde wohl passieren, wenn Du die Leute 5 Semester studieren läßt (= 25k $) und dann rausprüfst?
Es ist ganz ähnlich zu dem was in Deutschland (einem Teil der) Privatschulen hinterhergesagt wird.
Um die "Kunden" mit viel Geld wird man sich immer bemühen.

Aber natürlich ist es nicht nur so, dass alles wegen des Geldes so abläuft.
Es hängt auch (teilweisE) von der Leistung ab.
Es gibt dort keine freie Hochschulwahl wie hier, sondern die Unis suchen dich die Leute aus, die "zu ihnen passen".
Überlege Dir mal, es würden nur die Leute Informatik studieren dürfen, die eine Einstiegsprüfung aber den GdI 1-3 Stoff schaffen.
Wenn Du diese Leute alle im Vorfeld rausschmeist. Dann hast Du auch keine Probleme damit, jemanden herauszuprüfen!

Genau auf diesem Weg sind wir aber übrigens auch!
Auch in Deutschland ist man dabei über Studiengebühren eine "Kundenorientierung" zu erreichen.
Es gibt einen KMK Beschluß, demnach 80% aller Studienanfänger eines Faches dieses auch erfolgreich beenden sollen.
An der TUD wurde dies konkretisiert, in dem man sagt 80% aller die nach dem ersten Jahr noch da sind.

Den noch kann die TUD nicht gänzlich sich die Leute aussuchen. Ncoh existiert das Abitur als "allgemeine Hochschulreife".
Aber überlege Dir, was passieren würde, wenn sich die TUD ihre Leute aussuchen könne.
Da sprechen wir nicht mehr darüber, ob jeder alles packen kann was er will.... wer nicht Informatik und Mathematik Leistungskurs hatte und dann noch drei Monate auf den Einstellungstest gebüffelt hat, der bekommt gar keine Chance Informatik zu studieren!
Eine Idee wie dies aussehen kann, hat Herr Weihe vor einiger Zeit rumgemailt. Da gab es einen Link zu einer Aufgabensammlung zu Informatikthemen.....

Um die 80% Quote zu erreichen gibt es darüber hinaus diverse neue Prüfungsordnungen und Wünsche für diese: am prominentesten finde ich die Idee, dass man 50% der Prüfungsleistungen des ersten Jahres erreichen muss, um wieterzustudieren zu dürfen...

So das war Teil eins. Den ich zusammenfasse mit: Lieber eine allgemein Hochschulreife und freie Uniwahl und damit einhergehend, höhere Fehlentscheidungen bei der Studienwahl und dadurch höhere Abbrecherquoten, anstatt Studiengebühren und Auswahlverfahren durch die Unis.
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unschuldslamm
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Beitrag von unschuldslamm »

Teil zwei:

Auch freie Studienwahl erklärt nicht, warum die Lehre teilweise "scheiße" ist.

Man braucht dafür keine Verschwörungsgedanken oder Durchfallquoten-Hitlisten der Professoren.
Man muss sich nur einmal überlegen, wer Professor, Mitarbeiter oder Tutor wird.

Professoren sind eigentlich "Hochschullehrer". Aber steht die Lehre wirklich an erster Stelle? Nein!
Klar wird jeder Fachschaftler, der schon einmal an einem Berufungsverfahren teilgenommen hat, dass er/sie natürlich auf die Lehrbefähigung geschaut hat....
Aber wenn wir ehrlich sind: Drittmittel und Forschungskompetenz (Veröffentlichungen etc.).
Dies sind die zentralen Kategorien, nach denen heute jemand als Prof. berufen wird!
Und bei Mitarbeitern ist es eigentlich noch krasser. Da schaut keine Kommission auf die Lehrbefähigung. Gute Note? Gute aussicht auf eine Dissertation? Das sind wohl die Gründe warum ein Prof. jemanden einstellt.
Und wenn der Betriebsrat mit hineinschaut, dann wird dieser im wesentlichen nur formale Gründe prüfen können (Berücksichtigung von Frauen, Behinderten....).
Dabei organisieren Mitarbeiter nicht nur Übungen. In den Sozialwissenschaften halten schon Doktoranten eigenverantwortlich Seminare, oder nehmen Zwischenprüfungen ab!
Und auch bei Tutoren spielt lehrbefähigung oft keine Rolle. Mitarbeiter stellen oftmals die Personen ein, die im Jahr vorher eine gute Note hatten. Und da jedes Semester ein anderer Mitarbeiter verantwortlich ist, können selbst didaktisch schlechte Personen oft über mehrere Semester lang, bei verschiedenen Veranstaltern, neue Verträge bekommen...

Natürlich könnte man dies ändern. Anstatt Prof. einzustellen, die, imho, teilweise dubiose Forschungsthemen repräsentieren, könnte man Prof. einstellen, deren Hauptschwerpunkt gute Lehre ist. Aber das bedeutet, dass man als Institution weniger Forschung betreibt (zumindest ist das erstmal die Angst...) und das man im "Wettbewerb der Unis" auf den Rankingtabellen abrutscht.
an Fachhochschulen im übrigen sieht es _etwas_ anders aus: dort ist traditionell die Lehre wichtiger.

Auch im Bereich der Mitarbeiter könnte man verlangen, dass didaktische Qualitäten mit berücksichtigt werden müssen. Aber wer kontrolliert dies?
Würden sich die Prof. da hineinreden lassen wollen? Das gehört für die Prof. sicherlich auch zur grundgesätzlich garantierten Freiheit der Forschung & Lehre, auf die sie sich immer berufen, und ihre 50% Mehrheit in allen Unigremien begründen.

Im übrigen gilt es zu bedenken, dass Prof. auch nicht gleich Prof. ist!
Es gibt verschiedene Besoldungstufen, die eine gewisse Rangordnung bei den Prof. ausdrücken. Nach der neuen Besoldungstabelle ist es etwas anders, aber ich vereinfache mal: Es gibt C3 und C4 Besoldungen. Nur ein C4 Prof. ist ein full-Professor. Ein C3 Prof. verdient nicht nur selber weniger Geld, er bekommt auch weniger Mitarbeiterstellen und Geldmittel für die Arbeit. Es wird erwartet, dass die C3 Stelle eine Stelle zur Weiterqualifizierung ist, und die Person sich irgendwann auf eine C4-Position bewirbt.
Bei Juniorprof. ist diese Weiterqualifizierung noch krasser. Denn diese Stellen sind auf max. 6 Jahre befristet. Juniorprofs bekommen nicht einmal gekündigt - ihre Stelle existiert nach 6 Jahren einfach nicht mehr.

Dies bedeutet, dass Prof. auch ein persönliches Interesse haben (müssen), vorallem solche Sachen als Prof. zu machen, die in Berufungsverfahren besonders gwürdigt werden - und dies habe ich ja schon oben beschrieben ;)




Insofern: Seit nicht auf die Professoren oder Mitarbeiter sauer. Wenn sie mal wieder eine Vorlesung schlecht halten, eine blöde Klausur stellen oder die Korrektur 3 Monate dauert - dann habt einfach Mitleid.

Denkt daran, wie ihr in der Sonne liegt, saufen geht oder eure Freundin *** und daran wie der Prof. Samstags bis um 23:00 vor dem Drittmittelantrag hockt, das Paper für die nächste Konferenz fertigstellt oder wie er nachts schweißgebadet aufwacht, weil seine Stelle als Juniorprof. nächstes Jahr ausläuft und er noch keinen neuen Job hat, gleichwohl eine Familie mit 3 Kindern.....

Habt Mitleid und genießt den Frühling.
:)
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Beitrag von A. »

unschuldslamm hat geschrieben:an Fachhochschulen im übrigen sieht es _etwas_ anders aus: dort ist traditionell die Lehre wichtiger.
Wobei's da auch auf eins rausläuft: aufs Geld. Viele Fachhochschulen dienen speziell als "Nachwuchsschmieden" für bestimmte Firmen (oder zumindest einzelne Fachbereiche), die da ordentlich Geld reinbuttern. Und sich hinterher den Rahm abschöpfen, sozusagen. Beispiel wäre die Hochschule Mannheim (nicht die Uni), an der der komplette Fachbereich Chemische Technik mit Betriebskosten, Professuren und allem drum und dran praktisch über Drittmittel von BASF finanziert wurde/wird (ja, ernsthaft).

Übrigens: Studienbewerber-Prüfungen? Längst möglich. Gibts an der TUD laut Website momentan für den Bachelor Mechanical and Process Engineering im FB Maschbau. Und ansonsten gibts massenhaft die "tollen" neuen Auswahlgespräche, in denen "Motivation und Eignung" geprüft werden. Was in bestimmten Studiengängen heißt, das die Hälfte schon mal weg gesiebt wird.

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unschuldslamm
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Beitrag von unschuldslamm »

oder wie an der FHD:
Im "Elitestudiengang-KoSI" (O-Ton eines FH-Profs.) werden die Studenten erst dann zum Studium zugelassen, sobald sie den Vertrag von der kooperierenden Firma unterschrieben haben....
(kooperativer Studiengang von 7 Semester: 3 Semester im Betrieb in 4 Semester den normalen Inf-Bachelor (6Semester) der FH durchziehen...)

Und zum Thema "Zulassungs"-hürden noch was schönes: der neue Bachelor Politikwissenschaft an der TUD (die sind dort nach 4 Jahren erst bei der 2. Iteration ;) ) verlangt Unicert2 (oder noch höher, weis grad ned...) Nachweise für 2 moderne Fremdsprachen als Leistungsnachweis bis zum Ende des Bachelors - ohne dass dafür auch nur ein CP im Studiengang reserviert ist.....
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Beitrag von A. »

unschuldslamm hat geschrieben:Im "Elitestudiengang-KoSI" (O-Ton eines FH-Profs.) werden die Studenten erst dann zum Studium zugelassen, sobald sie den Vertrag von der kooperierenden Firma unterschrieben haben....
Das kenn ich so von Doktoranden-Verträgen von bestimmten Hochschulen - insbesondere an halb-unabhängigen Instituten wird dann einn Doktorand schon mal in Rücksprache mit dem Hauptsponsor nach dem Kriterium genommen "kriegen wir Drittmittel für die Doktorarbeit?". Auch schon bei Diplomarbeiten gesehen btw.

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unschuldslamm
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Beitrag von unschuldslamm »

Äh... das ist an allen Hochschulen so!
Was glaubst du wieviele Mitarbeiter hier nur durch Drittmittel da sind!?...
Ich würde mal sagen die Landesstellen machen höchstens 50% aller Mitarbeiter aus.
Wobei Drittmittel nicht gleichbedeutend mit Industrie ist. Über 50% aller Drittmittel kommen von öffentlichen Stellen (DFG, EU, Sonderprogramme des Landes, Bundesministerien etc.)

Etliche Mitarbeitersind deshalb nicht von Anfang an auf 5 Jahre oder so angestellt, sondern immer nur solange wie das "Projekt" läuft.... Es gibt Mitarbeiter die von einem halb-Jahres-Vertrag in den nächsten stolpern....

Wobei ich eine Unterschied zwischen diesem Punkten und den von mir heute morgen angesprochenen, und von Dir zitierten, Punkt sehe.

Mit KoSi wird die FHD nicht zur Elite-FH, sondern sie degradiert sich, mit einem Schlag, selber zu einer BA! Nicht vom "Niveau", sondern von der Ideologie.
Und das ist das gefährliche.
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Rodent Bait
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Beitrag von Rodent Bait »

Ich hab' selbst an der bösen, minderwertigen Nicht-Elite-FHD den "Elitestudiengang KoSI" absolviert (dieses Zitat aber nie zu hören bekommen), bevor ich an diese Möchtergern-Eliteanstalt hier gekommen bin.
Mit KoSi wird die FHD nicht zur Elite-FH, sondern sie degradiert sich, mit einem Schlag, selber zu einer BA!
Warum wird hier dauernd von "degradieren", von "Elite", von "besser" und von "schlechter" gesprochen? Eine FH hat nun mal einen anderen Anspruch als eine Universität und arbeitet in der Lehre gezielt in eine andere Richtung. Eine Uni soll künftige Wissenschaftler ausbilden, eine FH künftige Angestellte in höherqualifizierten Jobs (und dafür ist das KoSI-Studium wirklich gut geeignet), um das mal vereinfacht darzustellen. Da gibt es kein "besser" und kein "schlechter", kein "degradieren" - es sind einfach verschiedene Ansprüche, die (und erst hier kann man dann, in jedem Hochschulbereich für sich, von Niveauunterschieden sprechen) unterschiedlich gut erfüllt werden.

Vom KoSI kann man halten, was man mag - man kann aber daran einen interessanten Punkt, der oben auch schon angesprochen wurde, beobachten: ich habe es nicht erlebt, dass jemand aus dem Studiengang herausgeprüft wurde, letztlich wurden alle irgendwie "durchgeschleift". Auch dazu kann man stehen, wie man will (ich selbst halte es durchaus für bedenklich) - aber aus Sicht der FH ist es verständlich, es gilt dieselbe Argumentation, die Unschuldslamm für US-Unis genannt hat: die Firmen zahlen bares Geld (an die Studierenden und an die Hochschule) - würden sie für dieses nicht die gewünschte Gegenleistung (Absolventen) erhalten, würde die Kooperation wahrscheinlich früher oder später im Sande verlaufen. Dass die Hochschule sich damit in mittelbare Abhängigkeit von den Unternehmen begibt, ist durchaus bedenklich zu sehen (ich nehme an, dass Unschuldslamm das mit "Ideologie" meinte).

Zu der restlichen Diskussion: ich finde es durchaus berechtigt, dass es eine gewisse Menge Leute gibt, die das Studium nicht schaffen. Wäre dem nicht so, müsste man verlangen, dass alle Abiturienten auf Anhieb den Studiengang wählen, der hundertprozentig zu ihnen passt (was wohl illusorisch sein dürfte) - oder man müsste alle irgendwie "durchschleifen", was dann den Abschluss deutlich entwerten würde.

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