Kampfdrohnen / Die Anstalt

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Red*Star
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Kampfdrohnen / Die Anstalt

Beitrag von Red*Star »

"Die Anstalt: Der Drohnenkrieg ist der ausgestreckte Mittelfinger gegenüber dem Völkerrecht 03.02.2015"

https://www.youtube.com/watch?v=AoKYVdtxIfY

Ich bin schon lange am Überlegen, inwiefern Informatik und die Digitalisierung Sinn macht oder nicht - oder ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, mit einem Informatikstudium was "sinnvolles" anzufangen. (Abgesehen von dem persönlichen Spaß, den man am Programmieren hat oder ähnliches - sofern man daran (noch, oder gerade) Spaß hat.) Okay, intelligente Stromnetze vielleicht, Effizienzverbesserung in der Nutzung von Ressourcen usw..

Aber wenn man das sieht, was ich oben verlinkt habe, fragt man sich: Was tun wir eigentlich?

Gibt es irgendwo irgendwelche Hacker, die intelligent und organisiert genug sind, um die Sicherheitsinfrastruktur der Amis zu hacken, so dass es diese schrecklichen Tötungsroboter vom Himmel holt?
Man könnte die Drohnen ja ins Meer stürzen lassen, dann richten sie keinen (weiteren) Schaden an. (Ich bin kein Fan von gewalttätigem Widerstand. Manchmal macht mich das Thema traurig, manchmal so aggressiv, dass ich einen regelrechten Ami-Hass bekomme - aber: Die können ja auch nichts dafür. Also nicht als Kollektiv. Und Gewalt erzeugt nur neue Gewalt. Folglich bleibt einem "nur" gewaltfreier Widerstand.)

Das wäre m.E. der sinnvollste Einsatz von den Fertigkeiten, die ich in meinem Studium gelernt habe - mit dem einzigen Problem, dass man dann einen Tag nach der Aktion wahrscheinlich von der CIA verhaftet und verschleppt oder gleich erschossen wird.

Nur so ein paar Gedanken... irgendwo musste ich sie loswerden.
Was Sonnenschein für das schwarze Erdreich ist,
ist wahre Aufklärung für die Verwandten des Erdreichs.

- N.F.S. Grundtvig

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AlexPi11
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Re: Kampfdrohnen / Die Anstalt

Beitrag von AlexPi11 »

Am Anfang der Folge wurde der Fehler der Medien/PEGIDA angeprangert sich auf den Islam einzuschiessen, wenn das Problem doch Terroristen sind. Das im Koran (wie auch in der Bibel) Hetze steht und man doch lieber mal das Grundrecht lesen sollte war ein Punkt. Das der Fokus komplett auf die Religion gesetzt wird, ist aber eine Nebelkerze. Konkrete Fragen zu "Was tun gegen die Terroranschläge" werden da erst gar nicht gestellt oder gehen im Medienrummel unter.

Und jetzt deine Reaktion auf den Beitrag zu Drohnen: Was tun wir [Informatiker] eigentlich?

Man kann doch die Informatik nicht so über einen Kamm scheren. Es gibt Schlechtes wie Gutes, und zwar meiner Meinung weit mehr als nur "intelligente Stromnetze" und "Effizienzverbesserung in der Nutzung von Ressourcen". Nur so direkt aus dem Kopf: IT unterstüzend in der Medizin, LHC (Simulation / Auswertung), Internet und darauf basierende Dienste z.B. wikipedia, Rettungsroboter, Logistik (z.B. Strassensicherheit durch Assistenten), Computerspiele und bestimmt 2^10 andere Sachen.

Der "ausgestreckte Mittelfinger" ist doch eher die Anmassung im Schnellverfahren Menschen zum Tode zu verurteilen. Die Drohne ist hier das Mittel aber nicht die Ursache.

Klar sollte man besonders als Informatiker, Ingenieur, gebildeter Mensch sich ethischen Fragen stellen und sich ggf. von gewissen Sachen distanzieren. Aber ob Technikphobie die Welt besser macht? - hm.

Ob 'das Sinnvollste' Widerstand gegen bestimmte Institutionen ist, ist meiner Meinung nach auch vollkommen unabhängig vom eigenem Studium. Warum sollten hier z.B. Informatiker generell eine andere Stellung einnehmen als Physiker, Germanisten oder Agrarwissenschaftler?

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Red*Star
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Re: Kampfdrohnen / Die Anstalt

Beitrag von Red*Star »

Hallo AlexPi,

und danke für deine Antwort.

Mein Posting war stark aus dem Moment heraus geschrieben - aus der unmittelbaren Betroffenheit, die sich Bahn gebrochen hat. Daher war einiges vielleicht nicht so ganz durchdacht. (Zwar beschäftige ich mich schon länger mit dem Drohnen-Thema, aber so plastisch wie Claus von Wagner in der Sendung hat es in meiner Wahrnehmungssphäre bislang noch niemand dargestellt/herausgearbeitet, was die ganz praktischen Konsequenzen von den Drohneneinsätzen sind.)

Du hast Recht, das Todesurteil aus der Luft ohne richterlichen Beschluss ist der eigentliche Wahnsinn an der ganzen Geschichte, seh ich auch so. Trifft natürlich ebenso zu auf reguläre Kampfbomber - nur: Mit wachsender Entfernung zwischen "Täter" (Drohnenpilot irgendwo weit weg versus Bomberpilot versus Infanterie) wächst, finde ich, immer mehr Entmenschlichung des ganzen Prozesses. Auch wenn es faktisch das gleiche ist, ob der "Gegner" von einem Sturmgewehr oder von einer Rakete (abgeschossen von einer Kampfdrohne) getötet wird. Die Realität ist weit widersprüchlicher als stumpfe Logik.

Du hast ebenfalls damit Recht, dass man alles in der Informatik nicht über einen Kamm scheren darf. So war das allerdings von meiner Seite auch nicht gemeint. Vielleicht meinte ich tatsächlich sowas wie "Was tun wir [Menschen] da eigentlich?"

Ich glaube, ich muss noch eine Weile daran arbeiten, um für mich selbst meine eigentliche Fragestellung herauszuarbeiten, momentan ist da nur dichter Nebel. Sie lässt sich vielleicht etwas näher einkreisen mit: Wie hält man eine Demokratie davon ab (das sind Deutschland und Amerika ja zumindest formal - auch wenn Amerika irgendwann mal von jemanden eher als faktische Oligarchie bezeichnet wurde), die ja angeblich zumindest die am wenigsten schlechte Staatsform sein soll, sich anzumaßen, über Leben und Tod von (fast) beliebigen Menschen außerhalb ihres Staatsgebiets zu entscheiden? Sprich was kann man als einzelner dagegen tun und wie tut man es am besten?
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- N.F.S. Grundtvig

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