Frauenquote am Fachbereich

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SebFreutel
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von SebFreutel »

Man könnte auch alle Informatik-Veranstaltungen durch Soziologie und Pädagogik ersetzen, dann stiege sicher das weibliche Interesse an "Informatik"! :)


Es wäre vermutlich hilfreich, die Studienabbrecherinnen zu fragen was sie dazu bewegte. HIS bzw. das BMBF haben das mal gemacht (für alle Fächer, Geschlechter, Hochschulformen), basiert aber auf ziemlich wenigen zur Fragestellung passenden Daten (soweit ich weiß werden irgendwelche Studenten stichprobenartig angeschrieben, und die Rücklaufrate ist sicher relativ gering), sodass man da schwer was draus ableiten kann. Halbwegs auffällige Unterschiede zwischen Informatik-Frauen und -Männern schienen mir bei einem kurzen Überfliegen zu sein, dass mehr Frauen an ihrer Eignung zweifelten, sich nicht mehr für das Berufsfeld interessierten, und falsche Vorstellungen vom Studium hatten (ob es da hilfreich ist, beim Girls Day etc. mit Robotern, Personalausweisen und der CAVE zu locken, die sie dann im Studium lange nicht, wenn überhaupt, wiedersehen?)

robert.n
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von robert.n »

plane hat geschrieben:Ich schließe mich Oren an!

Schaut man sich andere Uni's an, an denen einiges mehr an Mediendesign, Kunst in der Informatik und insgesamt aktivere Fächer geboten werden (damit meine ich Ausflüge, Tagungen, Reisen, Gespräche mit Firmen, mehr direkter Kontakt etc...) steigt die Frauenquote.
:?
Bitte belegen. Achso... Statistiken sind ja nichtssagend. :oops:

fetzer
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von fetzer »

Ich würde es eher begrüßen, wenn das Geld in eine attraktivere, bessere Lehre (Exkursionen, Beurfseinsichten, ...) gesteckt werden würde, als in Werbeveranstaltungen, die 1) nur mäßigen Erfolg haben und 2) männliche Bewerber und Studierende fast gar diskriminieren (oder habe ich den Männertopf im Haushalt übersehen?). Dass ein Informatikstudium trocken, mathematisch und nicht nur für Frauen am Anfang pure Langeweile bedeutet ist doch ein viel größeres Problem, das angepackt werden sollte und mit dem man weitaus mehr *Menschen* erreichen könnte.
In der Wirtschaft sieht es ganz anders aus: Dort werden einem Jobs suggeriert, die z.b. Kundenkontakt bieten. MMn ist das Problem hierbei, dass die Informatik sich selbst als etwas technisches betrachtet und nicht als etwas zwischenmennschliches, auch wenn sie dies zweifelsohne ist. Das Bild eines Informatikers in der Gesellschaft ist (gerade) daruch das eines langhaarigen, langweiligen Nerds, der alleine vor seinem Rechner programmiert. Das relativiert man aber mMn nicht dadurch, in dem man Frauen bezirzt und versucht, sie in die Informatik zu holen.

l3on
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von l3on »

Ich möchte euch ja ungerne stören bei eurer Diskussion, aber Ich glaube nicht, dass der Ort des Problems die Universität ist.
Da sollten wir vorher unsere Gesellschaft, sowie Bildungspolitik in Schulen überdenken...

Spontan verweise ich auf folgenden Artikel:
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wiss ... 46,00.html

robert.n
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von robert.n »

fetzer hat geschrieben:Ich würde es eher begrüßen, wenn das Geld in eine attraktivere, bessere Lehre (Exkursionen, Beurfseinsichten, ...) gesteckt werden würde, als in Werbeveranstaltungen, die 1) nur mäßigen Erfolg haben und 2) männliche Bewerber und Studierende fast gar diskriminieren (oder habe ich den Männertopf im Haushalt übersehen?). Dass ein Informatikstudium trocken, mathematisch und nicht nur für Frauen am Anfang pure Langeweile bedeutet ist doch ein viel größeres Problem, das angepackt werden sollte und mit dem man weitaus mehr *Menschen* erreichen könnte.
Dem kann ich zustimmen. Insbesondere Punkt 1) und 2). Auch, dass v.a. das Grundstudium einfach nur eine lange Durststrecke ist. Das einzige, was mich im späteren Verlauf des Grundstudiums am Laufen hielt, war mein Ehrgeiz, und der ist in diesem Ausmaß sehr selten (und das ist vllt. auch ganz gut so). Im Wahlpflichtbereich sieht das dann freilich ganz anders aus.

Aber wie kann man die Lage verbessern? Wie kann man diese Durststrecke erträglicher machen? Mir fällt da nicht wirklich etwas ein. Es muss in so kurzer Zeit so viel vermittelt werden, da ist nicht mehr viel drin. Die in meinen Augen einzige vielversprechende Möglichkeit wäre, die Regelstudienzeit anzuheben und mit der gewonnenen Zeit Druck rauszunehmen und mehr praktische Sachen reinzustecken (für das Weglassen von Inhalten sehe ich einfach keine Möglichkeit). Vielleicht sogar den wenigen, die es in Regelstudienzeit schaffen, die Option lassen, es trotzdem in 6 Semestern zu schaffen.

Hingegen kann ich Bemühungen, den Anteil von Frauen auf Gedeih und Verderb zu erhöhen, nicht nachvollziehen. Insbesondere dann, wenn nach außen hin wieder nur die besten, schönsten und spannendsten Dinge präsentiert, die technische Komplexität dahinter aber ausgeblendet wird.
Seht her: Als Informatiker könnt ihr dies und jenes tun! Blabla laber laber. Alles lächerliche Lock-Veranstaltungen. Genauso oberflächlich wie der durchschnittliche Tag der offenen Tür. Und das merken die Leute auch.
fetzer hat geschrieben:In der Wirtschaft sieht es ganz anders aus: Dort werden einem Jobs suggeriert, die z.b. Kundenkontakt bieten. MMn ist das Problem hierbei, dass die Informatik sich selbst als etwas technisches betrachtet und nicht als etwas zwischenmennschliches, auch wenn sie dies zweifelsohne ist. Das Bild eines Informatikers in der Gesellschaft ist (gerade) daruch das eines langhaarigen, langweiligen Nerds, der alleine vor seinem Rechner programmiert. Das relativiert man aber mMn nicht dadurch, in dem man Frauen bezirzt und versucht, sie in die Informatik zu holen.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was z.B. meine Freunde an der Informatik nicht mögen. In unserer Generation sind doch die meisten inzwischen einigermaßen computer-affin. Ich sage mal nur: Facebook, YouTube, Google, Amazon, verschiedenste Computerspiele... ===> Informatik pur!!!
Ich wollte von Anfang wissen, wie solche Software entsteht und was alles dahintersteckt und natürlich auch wie ich selbst sowas erschaffen könnte^^ (früher natürlich etwas andere SW als sagen wir mal FB ;) ). Das habe ich inzwischen herausgefunden und das ist sehr erfüllend.
Ich kann mir gar nicht vorstellen, weshalb man nicht daran interessiert sein könnte.^^ Eben Informatiker aus Leidenschaft. Wir schaffen mit Geisteskraft (+ Strom) interaktive Anwendungen, die allerlei Zeug und auch allerlei Unfug anstellen können. Was kann es geileres geben?!^^

Hat man nun dieses Interesse oder diese Leidenschaft nicht, dann sieht es schon ganz anders aus. Warum sollte man dann noch Informatik studieren wollen? Wegen der Bezahlung? Weil's Arbeit verspricht? Wegen der Möglichkeiten in der Forschung?^^ Nein, da gibt es zu viele einfachere und ziemlich sicher für viele Menschen interessantere Alternativen.

EDIT: Als Anmerkung: Auf dem Weg zur Informatik wurde ich nie unterstützt (das schließt das Ausbleiben von Anerkennung und größtenteils sogar der Wahrnehmung von Bemühungen und Erfolgen mit ein). Einziger Antrieb war und ist mein Interesse an der Sache gewesen. Vielleicht ein weiterer Grund dafür, dass es so schlecht aussieht? Viel zu wenig Informatik-Kompetenz in den Schulen?

My 2³ cents...

ice-breaker
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von ice-breaker »

robert.n hat geschrieben:Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was z.B. meine Freunde an der Informatik nicht mögen. In unserer Generation sind doch die meisten inzwischen einigermaßen computer-affin. Ich sage mal nur: Facebook, YouTube, Google, Amazon, verschiedenste Computerspiele... ===> Informatik pur!!
weil jemand auf Facebook seine Freunde zur Party einlädt, eine virtuelle Farm bewirtschaftet, auf Youtube sich Videos anschaut, eine Suchmaschine benutzen kann oder bei Amazon einkauft ist man doch nicht computer-affin.
Würdest du dich als Auto-affin bezeichnen, weil du ein Auto fahren kannst? Da gehört viel mehr dazu.

Und gerade das ist doch das Problem, die Informatikerinnern, die kommen verstehen genau das von dir angesprochene unter Informatik (meine Vermutung), dass die Wirklichkeit anders aussieht, wird dann zu einem Grund des Studienfachwechsels, genauso wie die lächerlichen Vorzeige-Veranstaltungen.

robert.n
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von robert.n »

ice-breaker hat geschrieben:
robert.n hat geschrieben:Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was z.B. meine Freunde an der Informatik nicht mögen. In unserer Generation sind doch die meisten inzwischen einigermaßen computer-affin. Ich sage mal nur: Facebook, YouTube, Google, Amazon, verschiedenste Computerspiele... ===> Informatik pur!!
weil jemand auf Facebook seine Freunde zur Party einlädt, eine virtuelle Farm bewirtschaftet, auf Youtube sich Videos anschaut, eine Suchmaschine benutzen kann oder bei Amazon einkauft ist man doch nicht computer-affin.
Würdest du dich als Auto-affin bezeichnen, weil du ein Auto fahren kannst? Da gehört viel mehr dazu.
Hm... ja und nein. Ich finde der Vergleich hinkt ein bisschen. Ich kenne nur sehr wenige Leute, die mit dem Auto fahren, weil es ihnen Spaß macht. Aber ich kenne sehr viele Menschen, die täglich aus Spaß an der Freude Facebook und Konsorten nutzen. Nur die wenigsten benutzen Facebook als Mittel zum Zweck (Veranstaltungsplanung, ...).
Ebenso kenne ich viele, die Computerspiele zocken, um Spaß zu haben. Und nicht wenige von denen würden selbstverständlich gerne ihre eigenen Vorstellungen von einem Computerspiel realisieren. Nur reicht das Interesse dann eben doch nicht aus, ein entsprechendes Studium einzuschlagen. Zumal es in der Informatik ein ganz besonders langer Weg ist, bis man auch nur annähernd derlei Dinge zustandebringt.

Aber ja, prinzipiell nenne ich sowas computer-affin.
ice-breaker hat geschrieben:Und gerade das ist doch das Problem, die Informatikerinnern, die kommen verstehen genau das von dir angesprochene unter Informatik (meine Vermutung), dass die Wirklichkeit anders aussieht, wird dann zu einem Grund des Studienfachwechsels, genauso wie die lächerlichen Vorzeige-Veranstaltungen.
Die Wirklichkeit sieht überhaupt nicht anders aus. Nur, wie gesagt ist es ein sehr langer Weg bis man in die Nähe von derlei spannenden Sachen kommt. Im Grundstudium liegen die Prioritäten eben erstmal ganz anders.

Osterlaus
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von Osterlaus »

robert.n hat geschrieben:Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was z.B. meine Freunde an der Informatik nicht mögen. In unserer Generation sind doch die meisten inzwischen einigermaßen computer-affin. Ich sage mal nur: Facebook, YouTube, Google, Amazon, verschiedenste Computerspiele... ===> Informatik pur!!!
Aua! Was haben Computer denn mit Informatik zu tun? ;) Benutz mal für FoC oder die Modellierung kryptographischer Protokolle einen Computer...

robert.n
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von robert.n »

Osterlaus hat geschrieben:
robert.n hat geschrieben:Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was z.B. meine Freunde an der Informatik nicht mögen. In unserer Generation sind doch die meisten inzwischen einigermaßen computer-affin. Ich sage mal nur: Facebook, YouTube, Google, Amazon, verschiedenste Computerspiele... ===> Informatik pur!!!
Aua! Was haben Computer denn mit Informatik zu tun? ;) Benutz mal für FoC oder die Modellierung kryptographischer Protokolle einen Computer...
Niedlich. Hast du brav auswendig gelernt.

Nun, wenn ich mal darauf hinweisen darf heißt es im Englischen: Computer Science.

Außerdem möchte ich mal zitieren: "Informatik ist die Wissenschaft von der systematischen Verarbeitung von Informationen, insbesondere der automatischen Verarbeitung mit Hilfe von Rechenanlagen."

Jetzt mal im Ernst: Du bist ein Möchtegern-Besserwisser/Klugscheißer. Ich weiß, dass sich viele Menschen darin gefallen, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Informatik nicht unbedingt bedeutet, dass man hauptsächlich an Computern arbeitet. Nein, die Informatik ist ein breiteres Feld, das ist ja auch völlig richtig. Doch das, was du hier von dir gegeben hast, ist ein Armutszeugnis für deine geistige Verfassung. Natürlich hat Informatik sehr sehr viel mit Computern zu tun! (Nicht ausschließlich, klar.)

Ich persönlich bin der Meinung, dass du dich mit deiner Äußerung lächerlich gemacht hast.

Gerade in diesem Zusammenhang, nämlich die Wahrnehmung der Informatik von außen, macht meine Aussage Sinn und deine umso weniger.

Edit: Was mich persönlich am meisten aufregt ist dein "Aua". Darin steckt eine Wertung, die mir gar nicht gefällt.

Osterlaus
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von Osterlaus »

robert.n hat geschrieben:Gerade in diesem Zusammenhang, nämlich die Wahrnehmung der Informatik von außen, macht meine Aussage Sinn und deine umso weniger.
Oh ja, genau. So kommen dann so Nasen an unseren Fachbereich, die sich unter dem Informatik-Studium vorstellen, am Schluss besser WoW zocken zu können oder ihren Prozessor übertakten zu können. Hmm... Schön übrigens, dass du auf leichte Provokationen gleich so einsteigst :)

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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von E.d.u. »


robert.n
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von robert.n »

Osterlaus hat geschrieben:
robert.n hat geschrieben:Gerade in diesem Zusammenhang, nämlich die Wahrnehmung der Informatik von außen, macht meine Aussage Sinn und deine umso weniger.
Oh ja, genau. So kommen dann so Nasen an unseren Fachbereich, die sich unter dem Informatik-Studium vorstellen, am Schluss besser WoW zocken zu können oder ihren Prozessor übertakten zu können. Hmm... Schön übrigens, dass du auf leichte Provokationen gleich so einsteigst :)
Richtig, genau das habe ich gemeint. -.-

Ja, ich bin empfindlich, was das angeht (Provokation, Arroganz, Dummheit). Schön finde ich das nicht. Den Smiley finde ich auch unpassend.
robert.n hat geschrieben:Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was z.B. meine Freunde an der Informatik nicht mögen. In unserer Generation sind doch die meisten inzwischen einigermaßen computer-affin. Ich sage mal nur: Facebook, YouTube, Google, Amazon, verschiedenste Computerspiele... ===> Informatik pur!!!
Hinter diesen Systemen steckt ein Haufen Informatik. Klar, Informatik != FB, YT, Google, Amazon. Aber mir zu unterstellen, dass ich so denken würde, verbunden mit einem "Aua", halte ich für reichlich übertrieben. Man muss schon ein ziemlicher Klugscheißer sein, um darauf auf diese Art einzusteigen. Schön finde ich das nicht. Einen Smiley gibts auch nicht.

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Red*Star
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von Red*Star »

Meine Güte, da hat aber mindestens eine Person hier einen ziemlich schlechten Tag hinter sich, was? :D

Wenn ich mich auch mal zum eigentlichen Thema zu Wort melden darf: Ich frage mich, was eigentlich das so große Problem daran sein soll, dass wenige Frauen Informatik studieren? Technik war - erstaunlicherweise - schon immer eher eine Männerdomäne. Ohne mich jetzt auf einen der möglichen Gründe dafür festzulegen*), sehe *ich* darin eigentlich kein Problem: Vielleicht geht/gehen uns spezifisch weibliche[s] Wissen/Problemlösungsstrategien dadurch verloren, aber, mein Gott, dann ist es halt so. Es gibt ja auch Fachrichtungen, bei denen es gerade umgekehrt ist, und die Männer in der Minderheit sind. "Müssen" da dann Maßnahmen unternommen werden, damit mehr Männer daran teilnehmen?
Eventuell wäre es für manche[n] "schöner", wenn das Männer-Frauen-Verhältnis etwas ausgeglichener wäre - aber für andere u.U. auch weniger schön. Auf jeden Fall weiß ich nicht, ob man zwanghaft versuchen muss, irgendeine "Frauen-Quote" o.ä. zu erreichen - ist das nicht verschwendete Energie? Für ein Problem, das eigentlich nur ein virtuelles Problem darstellt? Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber: Männer oder Frauen - wen kümmert's? Ich habe mit dem bisschen Mensch-Sein von mir schon genug zu tun (um ein Zitat von Volker Pispers mal in völlig neuer Situation zu bringen ;) ).
Ich glaube auch, dass diese Aussage von der aktuellen Geschlechterforschung gut gestützt wird: Männer und Frauen haben letztlich mehr Gemeinsamkeiten, als Unterschiede. Was ihre Träume und Sehnsüchte angeht ebenso wie ihre Ängste und dunklen Seiten. Nur legt man sich in der Öffentlichkeit immer wieder irgendwelche Masken an, weil man denkt, irgendwelche bekloppten Rollenklischees erfüllen zu müssen. Dann heißt es halt plötzlich, dass "das Mädchen" eben nicht für Mathematik geeignet ist und "der Junge" nicht für Sprachthemen. So ein Quatsch :lol:.


*) Gesellschaftliche/historische Gründe, psychologische/biologische Gründe, oder auch einfach nur die prinzipielle Technik-Verliebtheit bzw. mehr Verspieltheit bei den Jungs, was "den" Mädels (also ich spreche jetzt vom Durchschnitt, nicht von konkreten Personen) vielleicht auch gerade als zu kindisch erscheint - dafür sind Frauen dann vielleicht an anderen Stellen etwas kindischer als Männer. Ein Grund könnte natürlich auch der lauten: Ganz einfach Zufall. Irgendwann hat es sich mal ein ganz kleines bisschen in diese Richtung entwickelt, und durch Selbstverstärkung ist es immer mehr in diese Richtung abgedriftet. Der Artikel http://www.spiegel.de/schulspiegel/wiss ... 46,00.html scheint ja so ein bisschen in diese Richtung zu weisen, auch wenn man solche Untersuchungen sicher immer mit Vorsicht genießen sollte.
Was Sonnenschein für das schwarze Erdreich ist,
ist wahre Aufklärung für die Verwandten des Erdreichs.

- N.F.S. Grundtvig

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Thomas
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von Thomas »

Wichtiger als eine höhere Frauenquote ist eine niedriger Abbrecherquote – ein paar Semester Studium ohne Abschluss nützt niemandem was. Und da sollte man der Statistik nach bei den Frauen mehr machen als bei den Männern.
„Die Universität steht nunmehr vor der Aufgabe, die Lehre vor Qualitätseinbußen zu schützen, damit der dort vorhandene sehr gute Ruf gehalten wird.“
Rechenschaftsbericht des TU-Präsidiums 2009-2010 (Seite 20), angesichts von aktuell 23.000 Studenten und vor G8

Sylvia G.
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Re: Frauenquote am Fachbereich

Beitrag von Sylvia G. »

Zu dem Thema Frauenquote in der Informatik gebe ich jetzt ausnahmsweise auch mal meinen Senf hier ab (was ich selten tue im Forum, ich rede immer lieber persönlich mit Leuten darüber...). Aber, wie manche von euch wissen, bin ich zur Zeit ja nicht in Darmstadt - und ich habe wirklich das Gefühl, dass in diesem Thread die weibliche Meinung unterrepräsentiert ist ;).


Zunächst einmal möchte ich die "schönen" Veranstaltungen Girls' Day, Schnuppertage für Schülerinnen etc ein wenig verteidigen, ich habe das Gefühl, dass einige hier ein wenig darauf rumhacken. (Hinweis an Leute die mich nicht kennen: Ich habe diese Veranstaltungen die letzten zwei Jahre, als ich noch in Darmstadt war, mitorganisiert, daher weiß ich auch wovon ich rede.):

Ja, wir machen "Werbung" mit "tollen" Dingen wie den Robotern und der CAVE, die zunächst niemand im Studium sieht. Und ja, das ist aus meiner Sicht durchaus legitim, denn JEDER Fachbereich zeigt seine "Highlights" bei Infoveranstaltungen (nicht nur bei den Veranstaltungen für Frauen). Was glaubt ihr, was sie beispielsweise im Fachbereich Chemie machen? Da werden auch irgendwelche tollen Dinge im Labor hergestellt, was man so im Studium sicher nicht wirklich macht! Würden wir nicht unsere "Highlights" bei solchen Infoveranstaltungen präsentieren, würde jeder denken, wir hätten keine - ergo, Informatik sei nicht spannend, denn niemand macht tolle Dinge damit. Jeder Mensch muss ein Ziel haben, wenn er etwas studiert, und wissen, was er vielleicht mal machen oder erreichen kann. Wir versuchen, solche Anregungen zu geben, um zu motivieren. Fairerweise erzählen wir aber auch durchaus bei jeder Veranstaltung von unserem Studentenalltag und betonen auch die schwierigeren Seiten am Studium.

"Warum sind diese Veranstaltungen immer nur für Mädchen/Frauen? Wir Männer hätten sowas auch gerne??"... Ganz ehrlich, ich persönlich kann Beschwerden der Art "die Frauenförderung in der Informatik ist ja sooo diskriminierend gegenüber den Männern" nicht mehr hören. Diese Veranstaltungen sind nur für Frauen, weil es "allgemein" wünschenswert ist, mehr Frauen im Fachbereich zu haben, da sie zur Zeit (wie in diesem Thread ja auch festgestellt) in der Minderheit hier sind, mit großen Abstand! Auf die Frage, warum das wohl wünschenswert wäre, will ich jetzt keine direkte Antwort geben (weiter unten trage ich zu dem Thema nur noch einige persönliche Erfahrungen bei, wen es interessiert...) - darüber könnte man stundenlang diskutieren und jeder würde eine andere Meinung haben. Tatsache ist nun mal, die meisten Leute fänden das irgendwie ganz gut, wenn mehr Frauen am Fachbereich wären - mal ganz unabhängig davon, woher und warum die jetzt gekommen sind. - Seid ihr in dieser Sache anderer Meinung? Dann postet hier "Ich bin generell absolut dagegen dass mehr Frauen im Fachbereich sind" mit einer ernsthaften Begründung warum. Nach meiner Erfahrung wollen jedenfalls eigentlich immer alle Leute mehr Frauen in der Informatik, aus verschiedenen Gründen, oder es ist ihnen evtl egal, aber dann gibt es einige Leute, die sind irgendwie gleichzeitig gegen Frauenförderung... ist das wirklich logisch?
Und mal ehrlich, tut den Männern die Frauenförderung in der Informatik in irgendeiner Form "weh"? Wäre irgendwas bei uns im Fachbereich signifikant "besser" wenn wir jegliche Frauenförderungsaktivitäten einstellen würden? Ja klar, dann wäre auf einmal so unglaublich viel mehr Geld für jeden da, weil der Fachbereich ja auch unglaubliche Unsummen für die Organisation von Girls' Day etc. ausgibt (<-*Ironie*). Und klar, die Frauen kommen dann ja früher oder später von selbst in die Informatik - wenn meine Aktien im Keller sind, tue ich ja auch nichts, weil ich einfach daran glaube, dass sie irgendwann von selbst wieder steigen (<-*mehr Ironie*).

Aber ja, ich gebe auch zu, dass man an manchen Frauenförderungsaktivitäten noch herumschrauben und da einiges verbessern könnte (bei manchen mehr, bei anderen weniger) - wie auch die meisten Lehrveranstaltungen bei uns sind sie natürlich nicht perfekt. Da könnte ich jetzt auch lange drüber erzählen und diskutieren, das lasse ich jetzt mal (wen das interessiert, der kann sich ja mit mir persönlich darüber unterhalten...)


Nun noch ein Beitrag von mir zum Thema "Warum eigentlich so wenige Frauen Informatik studieren":

Ich will jetzt gar nicht so sehr auf die "Standardgründe" eingehen, die ja hier im Thread auch schon angesprochen wurden, sondern einfach mal kurz was von meiner momentanen Situation erzählen, um nochmal ein paar andere Aspekte zu beleuchten.

Ich studiere ja zur Zeit seit ca. einem Monat am Institut Eurecom in Sophia Antipolis, an der Côte d'Azur. Und ich war sehr überrascht angesichts des Frauenanteils, als ich hierherkam. Man muss jetzt natürlich sagen, dass bei Eurecom eh einiges anders läuft als bei uns - das ist einfach viel kleiner, da sind insgesamt nur ca. 200 Studenten (wenn überhaupt), alles Informatiker - viele davon auch gar nicht direkt anwesend, da sie zur Zeit Praktika machen. Also kann man das sicherlich nicht direkt zb mit Darmstadt vergleichen. In meinem Semester (d.h. die Leute, die jetzt dieses Semester mit mir in Eurecom angefangen haben) sind nur ca. 70 Leute - aber ca. 20(!!!) davon sind Frauen. Und ich sehe sie ständig. Unglaublich - könnte ich überhaupt bei UNS 20 Frauen aufzählen, die ich regelmäßig sehe bzw. einen bestimmten längeren Zeitraum über in der Vergangenheit regelmäßig gesehen habe? Ich fürchte fast das kann ich nicht. Schon gar nicht allein aus meinem Semester (obwohl es ja sicherlich 20 geben müsste?).
Nun ist das jetzt natürlich auch noch lange nicht die Hälfte - macht aber, zumindest nach meinem Empfinden, einen gewaltigen Unterschied. Auf einmal gibt es Arbeitsgruppen in Kursen, wo man tatsächlich nicht die einzige Frau ist, wo sogar teilweise die Frauen in der Überzahl sind und daher Gespräche oft ganz anders ablaufen als ich es aus Übungsgruppen bei uns kenne. Es gibt richtige "Frauengespräche" in der Uni. Es gibt auf einmal Frauen aus der Uni, mit denen man "Frauenaktivitäten" machen kann. Ich hätte vorher nie gedacht, dass das so einen großen Unterschied machen kann, wenn man täglich nicht nur mit zwischen 0 und vlt 2 Frauen zu tun hat. Tut es aber - ich kann mich auf diese Weise viel besser mit allem identifizieren und es macht noch mehr Spaß in die Uni zu gehen (würde es sonst auch, aber das gibt halt noch was dazu). Und mein Eindruck zumindest ist, dass viele der Männer hier das auch so sehen ... unter anderem auch, weil sie mit uns sehr oft ganz andere Diskussionen führen als untereinander. (Das aIs Beitrag zu dem Thema "Warum es vielleicht (u.a.) ganz gut ist, mehr Frauen im Fachbereich zu haben".)

Aber warum ist jetzt wohl eigentlich der Frauenanteil bei uns in Eurecom so hoch? Warum ist er nicht so niedrig wie sonst auch überall in der Informatik? Liegt das jetzt wirklich nur daran, dass es Frankreich und die Côte d'Azur ist, wie jetzt schon mehrere Leute aus Deutschland gemeint haben, denen ich davon erzählt habe? Möglicherweise, aber das erscheint mir als Antwort doch etwas "eindimensional". Hat es nicht vielleicht eher (auch) etwas damit zu tun, dass hier allgemein darauf Wert gelegt wird, dass die Leute nicht nur Informatik machen, sondern auch "General courses" belegen wie Wirtschaftskurse, Managementkurse und Kurse zur persönlichen Entwicklung sowie Sprachkurse (es sei betont, dass das nur ein geringer Anteil des Programms ist, der deutliche Löwenanteil der Kurse hier sind natürlich Informatikkurse)? Oder hat es vielleicht auch etwas damit zu tun, dass hier alles sehr viel sozialer und familiärer zugeht als an einer deutschen Uni, weil das Betreuungsverhältnis so gut ist? Oder hat es etwas damit zu tun, dass hier über 40 verschiedene Kulturen aufeinander treffen?
Ich kann es euch leider nicht genau sagen - und vielleicht kann ich das nie, zumindest muss ich mir das aber noch ein paar weitere Monate lang ansehen ;). Es sei aber an dieser Stelle gedacht als Denkanstoß.

Viele Grüße von der sonnigen Côte d'Azur (naja nicht die letzten 3 Tage, aber sonst immer^^),
Sylvia

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