Warum an der Tu Darmstadt studieren?

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Valerie
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Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von Valerie » 6. Nov 2011 20:49

Hallo,
ich werde dieses Jahr mein Abitur machen und habe vor danach Informatik zu studieren. Die große Frage ist nur wo. Ich wohne derzeit in Thüringen, möchte aber gerne etwas weiter weg von zu Hause wohnen. In meinen bisherigen Recherchen schnitt die Tu Darmstadt bisher recht gut ab (in diversen Rankings war sie immer oben mit dabei). Deshalb wollte ich jetzt euch Studenten fragen warum IHR euch für Darmstadt entschieden habt, was das besondere an der Uni ist und ob ihr eure Entscheidung mittlerweile bereut oder ob ihr es wieder machen würdet, oder ob ihr denkt das eine andere Uni viel besser ist.
Ich weiß das diese Frage nicht einfach und pauschal zu beantworten ist, hoffe aber trotzdem einige Antworten zu bekommen :D
Valerie

robert.n
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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von robert.n » 6. Nov 2011 21:30

Warum TU Darmstadt?
Weil der Studiengang Informatik an der TU Darmstadt einen guten Ruf hat und weil ich nur etwa 10 km entfernt wohne. Hat sich daher angeboten.

Würde ich mich heute nochmal entscheiden müssen, dann würde ich mich vermutlich für die RWTH Aachen oder für das KIT in Karlsruhe entscheiden.

Warum?
Weil ich glaube, dass an diesen Unis die Lehre etwas ernster genommen wird als hier an der TU Darmstadt. Weitere Dinge, die gegen die TU Darmstadt sprechen: 1. Das karo5, ein nutzloses Gebäude, das für viel rausgeschmissenes Geld gebaut wurde als "Empfangs" oder "Willkommens"-Center der TU Darmstadt. (Wie romantisch, was für Pfeifen sind bitte darauf gekommen?!) 2. TUCaN - ein absurd dilettantisch entwickeltes Campus-Management-System von den Datenlotsen, die dafür viele Millionen Euro in den Hintern geschoben bekommen haben. Bemerke: Inzwischen bereits > 3 Mio. € für die Anpassung eines angeblich bereits bestehenden Campus-Management-Frameworks. 3. Bei allen Gelegenheiten wird über "mangelnde Finanzmittel" geklagt. WTF.

Außerdem kommen mir die praktischen Kompetenzen hier an der TU Darmstadt viel zu kurz. In zu vielen Prüfungen spielte das stumpfe Auswendiglernen unbrauchbaren theoretischen Wissens eine große, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle. Umgekehrt kommt dann im Grundstudium nicht mal IPv6 dran. Naja, ist ja auch überhaupt nicht wichtig oder so...

Eventuell würde ich statt Informatik sogar Elektrotechnik oder Mechatronik studieren, oder einen der vielen Studiengänge für "Bindestrich-Informatiker". In diesen Studiengängen ist die Welt noch in Ordnung, die Mathe-Vorlesungen sind menschlich etc. Man beschränkt sich eben auf das, was in der Praxis gebraucht wird, und davon gibt es reichlich. Ich muss ehrlich sagen, ich beneide die Ingenieure um ihre exzellente Lehre, und zu einem guten Teil auch um die hochinteressanten Inhalte.

Die Informatik ist leider sehr viel jünger als die Elektrotechnik oder der Maschinenbau und somit ist das Curriculum einfach nicht ausgereift. Zudem gibt es eine unerhörte Arroganz unter den Informatikern, die dazu führt, dass praktische Kompetenzen in gewisser Art "verpönt" sind. In der Folge werden tausende Informatiker ausgebildet, ohne auf die Anforderungen in der Industrie Rücksicht zu nehmen. Stattdessen bläht man das Studium künstlich auf, macht viele Lehrveranstaltungen künstlich schwerer, als sie eigentlich sind, um die wenigen hochintelligenten Menschen zu selektieren, die sich das wirklich nötige hinterher (und während des Studiums nebenbei) einfach selbst beibringen. Dass damit niemandem wirklich gedient ist, ist klar.

Und wenn ich "Software Engineering" nur höre, wird mir schon übel. Systematische Software-Entwicklung, my ass! Lernt doch erstmal das BP* richtig zu organisieren, bevor ihr uns beibringt wie wir unsere Software-Projekte angehen sollen. Auch sowas: "Agile Software-Entwicklung" *kopfschüttel*, da muss ich KOTZEN. Wenn es an der TU Darmstadt auch nur einen Funken SE-Kompetenz gäbe, dann wäre der Vertrag mit den Datenlotsen, diesem (meiner ganz persönlichen Meinung nach) völlig unfähigen Haufen niemals zustandegekommen!

* Bachelorpraktikum

Jetzt gehts mir besser...

Toobee
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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von Toobee » 6. Nov 2011 22:13

>Eventuell würde ich statt Informatik sogar Elektrotechnik [...] Mathe-Vorlesungen sind menschlich
:roll: nicht wirklich

>in zu vielen Prüfungen spielte das stumpfe Auswendiglernen unbrauchbaren theoretischen Wissens eine große, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle
Das Konzept zu entwickeln und Dinge zu beschreiben ist oft sehr mühselig, keine Frage - aber das ist irgendwo auch die Kompetenz für die du wirklich mal richtig Geld bekommen kannst. Und einen gewissen Teil an Wissen vergisst man ja in der Regel auch schnell wieder - wenn du dann das ganze nur Oberflächlich gelernt hättest, wäre gar nichts davon übrig geblieben ;-) (zudem kommt man in Detailsachen wesentlich leichter wieder rein, wenn man sie einmal [richtig] konnte). Als jemand der woanders seinen BSc gemacht hat, du wirst selbst an Fachhochschulen mit relativ viel Theorie zugekippt - dabei sind die ja schon wesentlich näher an der Praxis.

>würde ich mich vermutlich für die RWTH Aachen oder für das KIT in Karlsruhe entscheiden.
Als Elite-Unis werden die es mit der Theorie und dem "Basiswissen" vermutlich noch genauer nehmen als die TU.....(durch den Theorieanteil und dem damit verbunden Siebeffekt, definiert sich ja auch zum Großteil "Elite")

>die sich das wirklich nötige hinterher (und während des Studiums nebenbei) einfach selbst beibringen
Vorlesungen sind immer nur als grobe Fahrpläne gedacht und bieten einem strukturierten Einstieg in ein Thema, Übungen geben einen Eindruck von den Anwendungsfähigkeiten, die man am Ende beherschen sollte. Das ganze dann "auszuprägen" ist sicherlich die Arbeit des Studenten, eine Vorlesung beschränkt sich ja nicht nur auf die Vorlesungszeit.

>Umgekehrt kommt dann im Grundstudium nicht mal IPv6 dran
Ich weiß nicht wie viel die TU zu IPv6 macht, aber im Wesentlich ist IPv6 immer noch eine Protokoll wo man seit min. 10 Jahren von sagt, "morgen kommt es". Es ist einfach noch nicht wirklich in Nutzung, alle Zukunftsvisionen und betonte Wichtigkeit der Fachwelt für die Zukunft in Ehren, es gehört noch nicht zu den Grundlagen.

>wenn ich "Software Engineering" nur höre, wird mir schon übel
Es gibt manche Fächer, wo es mehr um die Konzepte geht, seien sie noch so programmierungsfern :mrgreen:

>"Agile Software-Entwicklung" *kopfschüttel*, da muss ich KOTZEN
Probier mal modell-getriebene Softwareentwicklung, agile Methoden ist imo wirklich etwas wo du was für die praktische Zukunft mitnehmen kannst.

>der einen der vielen Studiengänge für "Bindestrich-Informatiker"
Ich stehe solchen gemischten Studiengängen immer negativ gegenüber, du kannst dann aus 2 Fachbereichen die Grundlagen und das wars? Der einzige positive Effekt ist, wie du schon sagtest, dass du ein weichspül Grundstudium bekommst. Der Arbeitsmarkt macht das scheinbar auch mit, Bachelor ist Bachelor - für Leute die aber ggf. weiter als nur dem Bachelor wollen, ist das aber oft keine gute Wahl.

LucasR
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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von LucasR » 6. Nov 2011 22:34

Ich finde es schade, wenn der angesammelte Frust über Missstände in solchen Threads "luft gelassen" wird. In meinen Augen gibt es an jeder größeren Institution Probleme irgendeiner Art. Ob diese für einen Relevant sind, hängt auch von der eigenen Einstellung ab.

Persönlich komme ich gut mit dem Studium an der TU Darmstadt klar, schreibe inzwischen meine Bachelor-Arbeit und werde auch hier meinen Master machen.

Natürlich gibt es einiges, was nicht so gefällt. Inzwischen funktioniert Tucan't halbwegs, ob man ein Caro5 so benötigt oder nicht; ganz schlecht finde ich es nicht, die Verwaltung ist relativ greifbar untergebracht, die Bar angenehm, die Lounge wird für diverse Veranstaltungen sinnvoll genutzt. Dafür werden in den für mich relevanten Bereichen (IT-Sicherheit, Formale Methoden) eine riesige Fülle an Veranstaltungen angeboten, wo ich selbst regelmäßig neues finde, was ich noch nicht kannte.

Darmstadt als solches finde ich angenehm, da noch relativ kompakt alles beisammen ist, nie ist ein Weg länger als 15 Minuten Fahrrad und der ÖPNV ist auch ganz in Ordnung. Es gibt genug Geschäfte, Bars, etc in Uni-Nähe, und doch sind Frankfurt, Mainz und co auch nicht weit Weg und gut angebunden, wenn man mal was anderes sehen will. Für Informatiker ist der Campus Stadtmitte echt gut gelegen und angebunden, alles beieinander, was man braucht.

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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von E.d.u. » 6. Nov 2011 22:50

LucasR hat geschrieben:Ich finde es schade, wenn der angesammelte Frust über Missstände in solchen Threads "luft gelassen" wird. In meinen Augen gibt es an jeder größeren Institution Probleme irgendeiner Art. Ob diese für einen Relevant sind, hängt auch von der eigenen Einstellung ab.


Persönlich komme ich gut mit dem Studium an der TU Darmstadt klar,
finde ich auch!
LucasR hat geschrieben: Natürlich gibt es einiges, was nicht so gefällt. Inzwischen funktioniert Tucan't halbwegs, ob man ein Caro5 so benötigt oder nicht; ganz schlecht finde ich es nicht, die Verwaltung ist relativ greifbar untergebracht, die Bar angenehm, die Lounge wird für diverse Veranstaltungen sinnvoll genutzt. Dafür werden in den für mich relevanten Bereichen (IT-Sicherheit, Formale Methoden) eine riesige Fülle an Veranstaltungen angeboten, wo ich selbst regelmäßig neues finde, was ich noch nicht kannte.
und vor allem würden weder das Caro5 noch das TuCan (meiner Meinung nach sehr unwichtige Faktoren) meine Entscheidung beeinflüssen, ob ich an der TU Darmstadt Informatik studieren will oder nicht!
Ich kann ein Studium hier ebenfalls nur empfehlen.

fetzer
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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von fetzer » 7. Nov 2011 00:33

Für den Bachelor ist es egal, an welche Uni du gehst. Such dir die Uni danach aus, wo es für dich angenehm sein könnte, zu leben und zu studieren und geh nicht nach Rankings (Aussagekraft=0), Elite Status (NUR Forschung und Mitteleinwerbung und hat NICHTS mit Lehre zu tun!) oder tollem Namen (KIT, das MIT Deutschlands.. pff - am Ende ist Karlsruhe auch nur ne Stadt voller Männer :D). Das "Tolle" am Bsc/Msc-System ist, dass man nach seinem Bachelor praktisch gezwungen wird, sich für den Master für eine neue Uni/FH zu entscheiden. Und genau dann macht es auch Sinn, sich nach Hochschulqualität oder Bundesland/Umgebung zu entscheiden, denn dann hat es auch wirklich Auswirkungen. Wo du deinen Bachelor gemacht hast interessiert doch eh niemanden. Und qualitativ unterscheiden sich die einzelnen Hochschulen auch nicht besonders. Hier und da gibt es zwar noch Studiengebühren oder wie in Hessen QSL-Mittel. Aber Kürzungen im Bildungsetat gibt es in allen Bundesländern. Ebenso wie den RCDS :D

Es gibt viele Punkte, die gegen Darmstadt sprechen. Darmstadt ist unglaublich hässlich und hat wie jede Stadt ein Wohnugsproblem, was sich wiederum auf die Höhe der Mieten auswirkt (viel geld für hässliche Wohnungen!). Die Politik, die sich eigentlich darum kümmern sollte, ist völlig unfähig und treibt diese Wohnungsnot eher noch voran, als die Studis bei ihrem Problem zu unterstützen.
Clubs, Bars oder allgemein das Nachtleben ist in Darmstadt ebenfalls fürn Popo. Es gibt wenige Clubs, noch weniger Kneipen oder wer auf ne bestimmte Richtung ausserhalb Elektro steht muss einfach aus Darmstadt raus fahren. Für eine Studi-Stadt ist Darmstadt einfach nur lahm.
Die Uni wird aktuell eher wie ein Unternehmen mit Gewinnabsichten geführt, nicht wie eine Bildungs- und Forschungsanstalt. Das wirkt sich darauf aus, dass nur "teure" Studiengänge gefördert werden. Geistes- oder Gesellschaftswissenschaften kannst du vergessen und wenn du vorhast, irgendetwas in diesem Bereich zu machen, dann geh um Himmels Willen NICHT nach Darmstadt! Meine Meinung.
Im BSc Informatik ist das Grundstudium eigentlich nur zum Aussortieren da. Mehr wird da nicht gemacht, den Großteil vergisst man eh wieder und braucht man auch in den höheren Semestern nicht. Im Hauptstudium (ab 5 Semester) wird es zwar interessant, aber auch nur, wenn du dich für bestimmte Richtungen, die hier gepusht werden, interessierst (z.B. die 5 Spezialisierten Master-Studiengänge). Wenn du dich z.B. im Bereich Computer Microsystems vertiefen willst würde ich von der TU abraten, da einfach zu viel weggekürzt würde, als dass es wirklich Spaß machen könnte, hier zu studieren.
Am Ende hast du im Bachelor 2 Semester lang interessante Dinge gehört. Das wird dank Bsc/Msc-System und die dazugehörige Verschulung des Studiums nirgens groß anders sein.

Insgesamt hat es aber auch seine guten Seiten, die auch für Darmstadt sprechen: Es gibt viele Hochschulgruppen und Fachschaften, in denen man sich engangieren kann. Wir haben eine aktive Hochschulpolitik mit mehreren, unterschiedlichen politischen Hochschulgruppen, die in den einzelnen Gremien vertreten sind. Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist in manchen Bereichen (z.B. Software-Entwicklung oder Sicherheit) gut ausgebaut und das Rhein-Main-Gebiet bietet viele Jobs für angehende Absolventen und Studis. Darmstadt ist trotz seiner Größe weder eine Großstadt, noch ein Kuhkaff und hat auch ganz schöne Seiten, die man allerdings erst entdecken muss. Wenn man sie allerdings kennt, dann kann man auch dort ganz schöne Sonntage verbringen. Und Frankfurt, Mainz, Wiesbaden oder Heidelberg sind zur Not auch nur wenige Autominuten entfernt. Oder der Odenwald, der zum Biken und Wandern einläd. Wie gesagt, es kommt immer darauf an, was du zum leben brauchst und suchst. Das Studium an sich ist erstmal zweitrangig.

Aber um auf deine Frage zurückzukommen: Such dir etwas aus, wo du von dir denkst, dass du dort leben könntest. Mehr zählt im Bachelor-Studium eh nicht ;)

d_s
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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von d_s » 7. Nov 2011 07:17

fetzer hat geschrieben:Das "Tolle" am Bsc/Msc-System ist, dass man nach seinem Bachelor praktisch gezwungen wird, sich für den Master für eine neue Uni/FH zu entscheiden.
Das halte ich für ein Gerücht. Es gibt - wie du eigentlich wissen müsstest - in der Informatik in Deutschland so gut wie keine ernst zu nehmenden Zulassungsbeschränkungen. Von daher ist es überhaupt kein Problem, an der Uni weiterzustudieren, an der man den Bachelor gemacht hat. Es ist meist sogar einfacher, am gleichen Standort weiterzumachen, als zu wechseln, weil "Eigengewächse" sich z.B. bei uns nicht mal bewerben müssen.
Und qualitativ unterscheiden sich die einzelnen Hochschulen auch nicht besonders.
Manchmal möchte ich wissen, wo du deine Theorien herbekommst ;) Mal andere Unis angeschaut?
Die Uni wird aktuell eher wie ein Unternehmen mit Gewinnabsichten geführt, nicht wie eine Bildungs- und Forschungsanstalt.
Das kann man allerdings so sehen, ja. Das Problem ist, dass du kaum eine Uni finden wirst, die anders arbeitet. Das ist leider auch durch die Exzellenzinitiative und andere politische Vorgaben bedingt: Erfolg haben oder (zumindest von den Finanzen her) de facto zur FH degradiert werden.
Das wirkt sich darauf aus, dass nur "teure" Studiengänge gefördert werden. Geistes- oder Gesellschaftswissenschaften kannst du vergessen und wenn du vorhast, irgendetwas in diesem Bereich zu machen, dann geh um Himmels Willen NICHT nach Darmstadt! Meine Meinung.
Mal auf den Namen deiner Uni geschaut? :) (Und, nein, Universität heißt nicht mehr, dass man in alle Richtungen studieren kann, sondern dass es sich nicht um eine FH handelt. Seit die ganzen FHs nur noch "Hochschule" heißen, müssen sich die ehemaligen Hochschulen ja zur Abgrenzung Universität nennen.)
Im BSc Informatik ist das Grundstudium eigentlich nur zum Aussortieren da. Mehr wird da nicht gemacht, den Großteil vergisst man eh wieder und braucht man auch in den höheren Semestern nicht.
Manchmal glaube ich, wir studieren unterschiedliche Studiengänge. Ich bin jetzt fast mit meinem Master fertig und kann nicht behaupten, dass der Großteil des Grundstudiums unnütz war. Es wurden einfach nur breite Grundlagen gelegt, von denen ich heute noch zehre. Ich würde sogar behaupten, von den Grundlagen einen größeren Nutzen zu haben als von mancher Wahlpflichtveranstaltung aus einer Richtung, die ich jetzt nicht mehr weiterverfolge.
Am Ende hast du im Bachelor 2 Semester lang interessante Dinge gehört. Das wird dank Bsc/Msc-System und die dazugehörige Verschulung des Studiums nirgens groß anders sein.
Interessant, dabei hat sich bei uns von Diplom zu Bachelor/Master gar nicht viel geändert. Größte Änderung: Es wird nicht mehr der ganze Kram des Grundstudiums bzw. des Hauptstudiums auf einmal abgeprüft, sondern in Häppchen jedes Semester. Das halte ich für eine große Verbesserung. Auf Bologna draufschlagen kann jeder, an vielen Unis wurde da wirklich auch großer Humbug veranstaltet (Anwesenheitspflichten etc.), aber bei uns kann ich das nicht bestätigen.

robert.n
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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von robert.n » 7. Nov 2011 11:31

fetzer hat geschrieben: Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist in manchen Bereichen (z.B. Software-Entwicklung oder Sicherheit) gut ausgebaut und das Rhein-Main-Gebiet bietet viele Jobs für angehende Absolventen und Studis.
Bei der Gelegenheit möchte ich das Fraunhofer IGD erwähnen. Die Zusammenarbeit vom GRIS (TU Darmstadt) und Fraunhofer IGD ist super und man findet dort immer wieder sehr interessante Bachelorarbeiten und HiWi-Jobs im Bereich Visual Computing / Graphische Datenverarbeitung. Kann ich nur empfehlen.

TU Darmstadt ist mMn. eine sehr gute Wahl, wenn man sich für IT-Sicherheit (riesiger Cluster vor Ort) oder Visual Computing (GRIS + Fraunhofer IGD) interessiert. Und wie ich bereits sagte sieht es bei Maschinenbau, Elektrotechnik und Mechatronik auch ganz gut aus. Informatik ... naja, kommt sehr drauf an.

fetzer
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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von fetzer » 7. Nov 2011 11:59

d_s hat geschrieben:Das halte ich für ein Gerücht. Es gibt - wie du eigentlich wissen müsstest - in der Informatik in Deutschland so gut wie keine ernst zu nehmenden Zulassungsbeschränkungen. Von daher ist es überhaupt kein Problem, an der Uni weiterzustudieren, an der man den Bachelor gemacht hat. Es ist meist sogar einfacher, am gleichen Standort weiterzumachen, als zu wechseln, weil "Eigengewächse" sich z.B. bei uns nicht mal bewerben müssen.
Natürlich kann man auch weiterstudieren. Damit wollte ich nur sagen, dass doch einige (zumindest in meinem Bekanntenkreis) diesen Schnitt nutzen, um die Uni zu wechseln oder ein Auslandssemester zu machen. Von den Diplomstudis, die ich kenne, hat das nach dem Vordiplom eigentlich keiner gemacht. Dank TU9 und mündlichen(!) Absprachen sollte es für Informatiker auch kein Problem sein, den Master zu machen.
Manchmal möchte ich wissen, wo du deine Theorien herbekommst ;) Mal andere Unis angeschaut?
Ich kenn genug Leute in Bachelor und Master-Studiengängen an anderen Unis, die ebenso jammern und sich beschweren. Jede Uni hat in Bologna-Zeiten ihre Verwaltungsprobleme, jede Uni muss inzwischen Kürzungen beim Bildungsetat hinnehmen und der Großteil der Universitätsstädte ist von Wohnungsnot betroffen. Immer mehr Studis stehen also immer weniger Geld und Platz gegenüber. Da muss zwangsläufig gespart oder begrenzt werden. Und da ist das Bachelorstudium als Sparobjekt nunmal eine bessere Entscheidung, als ein Masterstudiengang, der die Leute direkt in die Forschung/Wirtschaft/whatever entlässt und dann hier seine Reputation bei Personalverantwortlichen erhält.
Mal auf den Namen deiner Uni geschaut? :) (Und, nein, Universität heißt nicht mehr, dass man in alle Richtungen studieren kann, sondern dass es sich nicht um eine FH handelt. Seit die ganzen FHs nur noch "Hochschule" heißen, müssen sich die ehemaligen Hochschulen ja zur Abgrenzung Universität nennen.)
Entweder man macht etwas richtig oder man macht es garnicht. Die Uni macht vieles, aber vieles einfach ungenügend. Ich bekomm hier ehrlich gesagt das kotzen, wenn ich mir vorstelle, dass meine Kinder von Lehrern unterrichtet werden, die in ihrem Studium von Aushilfskräften unterrichtet wurden, weil die Uni dachte, man könnte doch mal an Professoren sparen, weil Pädagogik eigentlich nicht so wichtig ist, wie Ingenieurswissenschaften oder Informatik.
Laut hessischem Hochschulgesetz muss zumindest Pädagogik unterrichtet werden (§48 (1) An jeder Universität wird ein Zentrum für Lehrerbildung gebildet.). In den letzten Semestern kamen in einem Institut auf 1 Professor >1000 Studis. Zwischenzeitlich wurde mit Aushilfsstellen ausgeholfen, was die Qualität aber nicht verbessert. Das Präsidium weigert sich darüber hinaus standhaft, hier irgendwelche Lösungen vorzulegen.
Uns betrifft das sicherlich noch nicht so stark, da Informatiker gefragt sind. Wenn weiter gekürzt werden sollte (oder in den nächsten Semestern die QSL-Mittel wegfallen, weil überall die Studiengebühren wieder abgeschafft werden) sind allerdings auch die BSc. Studiengänge dran, das muss klar sein. Und da traue ich leider dem aktuellen Präsidium nicht viel Kompetenz zu...
Manchmal glaube ich, wir studieren unterschiedliche Studiengänge. Ich bin jetzt fast mit meinem Master fertig und kann nicht behaupten, dass der Großteil des Grundstudiums unnütz war. Es wurden einfach nur breite Grundlagen gelegt, von denen ich heute noch zehre. Ich würde sogar behaupten, von den Grundlagen einen größeren Nutzen zu haben als von mancher Wahlpflichtveranstaltung aus einer Richtung, die ich jetzt nicht mehr weiterverfolge.
Ich habe weder in meinem Werkstudentenjob, noch in meinem 5, 6 oder jetzt 7. Semester irgendetwas aus dem Grundstudium gebraucht. Dagegen fehlt mir genau das, was nicht unterrichtet wird: Organistation, Projektmanagement, Wissenschaftliche Arbeitsmethodik, Sprachkenntnisse, Präsentationstraining, freies Sprechen, Diskussionsfähigkeiten... also hauptsächlich Softskills, auf die inzwischen viel mehr Wert gelegt wird, als auf technische Kenntnisse. Dank HDA oder Sprachenzentrum kann man zwar alles machen, aber nichts ist Pflicht und damit fällt es untern Tisch. Ganz zu schweigen davon, dass auch in der HDA gekürzt wird und die Kurse im SPZ so stark limitiert sind, dass nach ca. 30 Sekunden die Kurse in den Hauptsprachen ausgebucht sind.
Interessant, dabei hat sich bei uns von Diplom zu Bachelor/Master gar nicht viel geändert. Größte Änderung: Es wird nicht mehr der ganze Kram des Grundstudiums bzw. des Hauptstudiums auf einmal abgeprüft, sondern in Häppchen jedes Semester. Das halte ich für eine große Verbesserung. Auf Bologna draufschlagen kann jeder, an vielen Unis wurde da wirklich auch großer Humbug veranstaltet (Anwesenheitspflichten etc.), aber bei uns kann ich das nicht bestätigen.
Das Diplom war ebenfalls nicht der Renner. Einiges hat sich auch verbessert, keine Frage. Durch Bologna haben wir allerdings eine krasse Verwaltung aufbauen müssen, die sich nun damit rumschlägt. Tucan ist das beste Beispiel dafür, wie man die Verwaltung vereinfachen wollte, es aber auf Grund der Komplexität nicht geschafft hat. Wird jetzt wieder das Diplom eingeführt (wie z.B. in Dresden), dann kann man TUCan wieder ganz abschaffen, das Diplom lässt sich aktuell nämlich nicht korrekt modellieren. Wie robert schon gesagt hat: 3 Millionen € Ausgaben für eine dilletantisch entwickelte (angepasste!) Software.

Valeri
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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von Valeri » 7. Nov 2011 18:14

Hallo,
vielen Dank erst einmal für die vielen Antworten. Wenn ich das richtig verstanden habe ist das Informatik Studium in Darmstadt nicht perfekt, an anderen Unis aber auch nicht besser. Mich würde nun noch interessieren was für Leute dort studieren; also sind das zum Großteil nur Leute aus der Region oder aus ganz Deutschland und der Welt (der Ausländeranteil soll sehr hoch sein habe ich gelesen, oder?)? Wenn dort zum Großteil "Einheimische" studieren befürchte ich dass es schwierig sein wird am Anfang neue Kontakte zu finden wenn man niemanden kennt. Oder ist das überhaupt nicht so?

haase
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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von haase » 7. Nov 2011 18:31

Valeri hat geschrieben:Wenn dort zum Großteil "Einheimische" studieren befürchte ich dass es schwierig sein wird am Anfang neue Kontakte zu finden wenn man niemanden kennt. Oder ist das überhaupt nicht so?
Auch wenn (gefühlt) viele Leute aus dem näheren Umkreis (< 100km) kommen, brauchst du dir da wenig Sorgen zu machen, keinen Anschluss zu finden. In der Ophase gehört neben dem Kennenlernen des Studiums auch das Kennenlernen der Mit-Ersties zu unseren Kernzielen.

LucasR
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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von LucasR » 7. Nov 2011 18:36

Du hast dann neben dir einige hundert Informatik-Anfänger, von denen ein guter Teil in Darmstadt wohnen wird (ggf. grad zugezogen, so wie du wahrscheinlich). Da gibt es ordentlich Auswahl für Freunde, und dank Ophase hat man auch eine Menge Möglichkeiten, die kennen zu lernen :)

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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von Ibliss » 7. Nov 2011 18:48

Lieber Valerio, ich sag Dir mal was:

1) Freunde
Valeri hat geschrieben:Wenn dort zum Großteil "Einheimische" studieren befürchte ich dass es schwierig sein wird am Anfang neue Kontakte zu finden wenn man niemanden kennt. Oder ist das überhaupt nicht so?
Mann, hier fragt Dich keiner aus welchem/r Dorf/Stadt/Land Du kommst. Freunde wirst Du mit Sicherheit finden (international), auch wenn Du einen komischen Karakter hast (Geek, Macho, WoW-Zocker, wir haben es). Es gibt ausserdem Veranstaltung wo Gruppenarbeit ein Zwang ist. Wenn Du Leute nicht findest, findet Veranstalter Leute für Dich.

2) Die Stadt
Darmstadt ist Ok. Mein erstes Jahr in DA war (bis jetzt) das beste meines Lebens. Clubs gibt es nicht, aber es gibt Kneipen, Bars, Discos. Wenn Du auf Clubs steht, fähr nach Frankfurt.

3) Liebe
Es gibt ausreichend Studentinnen (oder Studenten, was auch immer man mag), wenn jemand Probleme hat eine Freundin zu finden, dann liegt es ausschließlich an ihm.

4) Studieren
Informatik studieren an der TU Darmstadt ist Ok. Du must ein bisschen den Arsch aufreißen, aber es wird sich später Lohnen. Zu Qualität: Ich würde es keinesfalls als mangelhaft oder schlecht bewerten. Im Leben, und auch im Studium, ist nicht alles schwarz/weiß, es muss auch grau geben. Wenn ich die Wahl nochmal hätte, hätte ich mich für TUD entschieden.
"Honesty is the first chapter in the book of wisdom.
Alien vs Predator 2 is the movie version of that book."

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Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von Pflücker » 12. Nov 2011 18:55

Valeri hat geschrieben: Wenn ich das richtig verstanden habe ist das Informatik Studium in Darmstadt nicht perfekt, an anderen Unis aber auch nicht besser.
Das ist, denke ich, rein subjektiv. Wie mein Vorredner bereits sagte, ist das Studium gewiss nicht so ausgelegt, als dass man "einfach mal so locker" seinen Bachelor/Master macht ;) Und natürlich gibt es auch Veranstaltungen, die fade | langweilig sind, das gilt aber nur für einen sehr kleinen Teil (natürlich wieder rein subjektiv gesehen ;) ).
Aus meiner Sicht, kann ich das Studium der Informatik an der TU Darmstadt nur empfehlen, sofern man bereit ist, das Studium auch ernst zu nehmen (nimmt man es ernst, hat man im übrigen auch sehr gute Chancen die Mathe-Veranstaltungen zügig hinter sich zu bringen ;) ).
Stände ich heute nochmal vor der Wahl, mich für eine Uni entscheide zu müssen, würde ich mich ohne langes Zögern wieder für die TU Darmstadt entscheiden.
Valeri hat geschrieben: Mich würde nun noch interessieren was für Leute dort studieren; also sind das zum Großteil nur Leute aus der Region oder aus ganz Deutschland und der Welt (der Ausländeranteil soll sehr hoch sein habe ich gelesen, oder?)?
Ich kenne in meinem Semester gerade mal einen einzigen Kommilitonen der aus Darmstadt kommt, ansonsten herrscht gefühlt eine starke Streuung über Mittel-/ bis Süd-Deutschland.
Valeri hat geschrieben: Wenn dort zum Großteil "Einheimische" studieren befürchte ich dass es schwierig sein wird am Anfang neue Kontakte zu finden wenn man niemanden kennt. Oder ist das überhaupt nicht so?
Du solltest bedenken, dass 95% deiner Kommilitonen im ersten Semester das selbe Problem haben, dass sie niemanden kennen. Über die Ophase und dem Programmier-Vorkurs findet relativ schnell eine Verklumpung statt, so dass du spätestens 3 Wochen nach Vorlesungsbeginn mehr als genug Leute kennen solltest - vorausgesetzt natürlich du möchtest es ;)

PS:
Wenn Du Leute nicht findest, findet Veranstalter Leute für Dich.
:D

Valerie
Gast

Re: Warum an der Tu Darmstadt studieren?

Beitrag von Valerie » 12. Nov 2011 21:43

Vielen Dank, ihr habt soeben erfolgreich Werbung für eure Uni gemacht :)

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